Stadtgeschichte


Etwa um 4000 v.Chr. wurden Ackerbauern aus dem Donauraum im Bereich Nagold sesshaft. Ihr Siedlungsschwerpunkt lag östlich der heutigen Stadt. Es waren die Kelten, die dem Fluss, in dessen Nähe sie siedelten, den Namen „Nagold“ - dies bedeutet „fließendes Gewässer“- gaben. Vermutlich lag diese keltische Siedlung am Hang des Killberges. Auf dem Schlossberg fand man Spuren einer keltischen Fluchtburg. Der Fürst, der dort seinen Herrschaftssitz hatte, ruht vermutlich im Heidenbühl, dem keltischen Grabhügel aus dem 5. Jh. v.Chr.

Um die Zeitenwende wurde der Nagolder Raum Teil des Römischen Reiches. Im 3. Jh. n.Chr. verdrängten die Alemannen die Römer endgültig aus Südwestdeutschland. Sie waren es auch, die auf den Fundamenten eines römischen Gutshofes die Remigiuskirche errichteten.

Remigiuskirche

786 wird Nagold als „villa nagaltuna“ erstmals urkundlich erwähnt.

Bis zur Mitte des 13 Jh. gehörte Nagold zum Besitz der Grafen von Nagold. Durch Heirat kam die Grafschaft im 13. Jahrhundert dann an die Hohenberger, die auf dem Schlossberg die Burg errichteten. Die Hohenberger waren es auch, die die Gründung der Stadt vorantrieben - und zwar an dem Ort, der heute noch Mittelpunkt der Stadt ist.

1363 kamen Stadt und Burg durch Kauf an die Grafschaft Württemberg. Nagold wurde Amtsstadt.

Die Funktionen einer Amts- und seit 1806 Oberamtsstadt wurden bis zur Aufhebung des Oberamtsbezirkes Nagold im Jahr 1938 erfüllt. Im Jahr 1939 wurde Iselshausen in die Stadt Nagold eingegliedert; in den siebziger Jahren folgten Pfrondorf, Gündringen, Mindersbach, Schietingen, Vollmaringen, Hochdorf und Emmingen. In Verwaltungsgemeinschaft mit Haiterbach, Ebhausen und Rohrdorf nimmt Nagold seit 1975 wesentliche Verwaltungsaufgaben für mehr als 30 000 Menschen wahr. Die Erhebung zur „Großen Kreisstadt“ zum 1. Januar 1981 und die im Landesentwicklungsplan ausgewiesene Funktion als „Mittelzentrum“ bestätigen ihre althergebrachte Zentralität.

Das Schicksal Nagolds ist eine wechselvolle Geschichte mit Krieg und Frieden, Höhen und Tiefen. Wohlhabenheit war etwas Seltenes und keiner der Stürme, die über das Land und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hinwegbrausten, vergaß Nagold. Das 17. Jahrhundert mit dem Dreißigjährigen Krieg, durch den die Burg Hohennagold zerstört wurde, nebst den nachfolgenden französischen Reunionskriegen brachte Nagold viel Leid. Am 15. September 1795, der Geist der Französischen Revolution hatte auch den Nagolder Stadtmagistrat erfasst, trat durch eine Initiative des Stadtschreibers Ludwig Hofacker in Nagold ein Vor-Parlament des württembergischen Oberlandes zusammen, um ein einheitliches Vorgehen für den 1797 stattfindenden Reformlandtag zu erreichen.

Die „Nagolder Partei“ erreichte bei diesem Landtag eine Reform der Landstände und damit das Brechen der völlig entarteten Herrschaft der Landschaftskonsulenten.

Vor dem oberen Tor war inzwischen die „Vorstadt“ entstanden, nachdem sich die Stadt seit dem Ende des 16. Jahrhunderts auch außerhalb der Stadtmauern auszudehnen begonnen hatte. Seit dem 17. Jh. gruppierten sich nun Häusergruppen um die außerhalb der Altstadt gelegenen Kapellen, so um die Leonhardskapelle, um die Nikolauskapelle auf der „Insel“ und auf dem Platz der heutigen Evangelischen Stadtkirche.

Große Teile der historischen Altstadt fielen leider später bei den großen Feuersbrünsten des 19. Jh. (1825, 1850, 1887 und 1893) den Flammen zum Opfer.

Entscheidende Ereignisse, die den Lauf der Geschichte Nagolds bestimmt haben, wirken weit in die Gegenwart herein: die Erhebung zur Stadt, das Marktrecht; ein Handel und Gewerbe treibendes Bürgertum; die Funktion einer Amtsstadt, die frühe Mechanisierung des Handwerks im Zeitalter der industriellen Revolution und die darauf folgende, durch den Pietismus beeinflusste, wirtschaftliche Entwicklung im 19. Jahrhundert; schließlich der außergewöhnliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg - der 1960 auf dem Eisberg errichteten Garnison der Bundeswehr kommt dabei eine besondere Bedeutung zu - und die Gemeindereform mit neuen großen Aufgaben.


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