Information

Die Ausstellung ist bis Sonntag,
5. März, zu sehen.
Museum im Steinhaus
Badgasse 3
Telefon: 07452 681-282
E-Mail: steinhaus@nagold.de

Öffnungszeiten
Dienstag, Donnerstag, Sonntag
und Feiertage (außer 25.12.)
14 bis 17 Uhr

Stadtnachricht

Ausstellung im Steinhaus
Geschichte der Unterwäsche


Höchst spannend und interessant ist die Geschichte der Unterwäsche im Museum im Steinhaus aufbereitet. Museumsleiterin Herma Klar (links) und Mitarbeiterin Anne Pahnke sind von den Exponaten begeistert. Foto: Stadt Foto: Stadt

Anfang war das Feigenblatt … Dies gilt nicht nur für die Geschichte von Adam und Eva im Alten Testament, sondern im Prinzip auch für den Beginn der Geschichte der Unterwäsche. Was dieses Thema mit Nagold zu tun hat, ist derzeit im Museum im Steinhaus zu sehen. Denn unter dem Titel „Wie eine zweite Haut“ ist dort eine Ausstellung zu den Kleidungsstücken, die die Menschen „darunter“ trugen, zu sehen.

Zugegeben, die Verknüpfung zum Steinhaus und zur Stadt erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Umso interessanter ist die Idee, die dahinter steckt: „Wir erhalten aus der Bevölkerung viele Gegenstände für unsere Sammlung. Speziell mit unseren Ausstellungen über Alltagsdinge möchten wir ein Mal im Jahr einzelne Gruppen von Gegenständen aus unserem Sammlungsbestand würdigen und ans Licht holen. „Das Thema Unterwäsche erweist sich dabei als kulturgeschichtlich höchst interessant“, erläutert Museumsleiterin Herma Klar.

Gleichzeitig stellt sie fest, dass Unterwäsche als alltägliches Kleidungsstück, das oftmals bis zur Untragbarkeit ausgebessert, weitervererbt und zuletzt noch zum Putzlappen verarbeitet wurde, selten Eingang in Museumssammlungen fand.

Eine Ausnahme bildeten höchstens besondere Stücke, wie spitzenverzierte Brautgarnituren. Umso facettenreicher präsentiert sich die Ausstellung im Museum. Aus verschiedenen Haushaltsauflösungen und Aussteuersammlungen stammen die Exponate. „Denn das Steinhaus versteht sich als Museum für Alltagskultur und hat deshalb von Anfang an auch Leibwäsche in die Sammlung mitaufgenommen“, erläutert Anne Pahnke den Hintergrund.

Chronologisch eingeordnet und anschaulich beschrieben spannen sie den Bogen vom Feigenblatt bis hin zu hippen Boxershorts mit Nikolausmützen-Motiven und vom Schlüpfer bis zum String-Tanga.

Die Besucher der Ausstellung werden überrascht sein, wie sehr die Unterwäsche aus unterschiedlichen Epochen die Geschichte der jeweiligen Zeit widerspiegelt.

Körpermodellierung hat eine lange Tradition. Auch Männer trugen Korsetts. Foto: Stadt                     Der Petticoat: ein weiter Unterrock aus versteiften Perlon- und Nylon-Stoffen. Foto: Stadt
Fotos: Stadt

Denn ob Unterhose oder Mieder, der Wandel in Design, Material und Gebrauch erzählt von wechselvollen Körperbildern und Geschlechterrollen.
                             
Ausstellung spannt Bogen bis zur Gegenwart

Die Unterwäsche erzählt aber auch von wirtschaftlicher Not, von Wohlstandszeiten und spiegelt ebenso, wie das Beispiel BH zeigt, politische und kulturelle Umbrüche wider.

Die Zeitreise beschäftigt sich ebenso mit den Gebräuchen der alten Griechen und Römer in Sachen Unterwäsche, wie mit unseren Vorfahren im frühen Mittelalter, die gänzlich darauf verzichteten. Im Spätmittelalter setzte sich für Männer und Frauen ein langes Hemd aus grobem Leinenstoff durch. Das gute Stück war Unterhemd, Nachthemd und Unterhose zugleich.

Für die einfachen Bevölkerungsschichten blieb das Hemd die Universalunterwäsche bis weit in das 19. Jahrhundert hinein. Sie besaßen oftmals auch nur ein Hemd.

Reformbeinkleid aus der Jahrhundertwende. Markant: Die Gesäßklappe. Foto: Stadt
Foto: Stadt

Ein besonderes Ausstellungstück und Lieblingsexponat von Herma Klar ist eine Männerunterhose. Sie tritt den Gegenbeweis zur heutigen Wegwerfmentalität an. Denn sie zeigt, wie häufig und aufwändig die Kleidung in früheren Zeiten geflickt wurde. „Die hohe Kunst lag darin, die Flicken zu verbergen“, erläutert Herma Klar.

Erfindungen im Bereich der Maschinentechnik und die Möglichkeit, Baumwolle massenhaft industriell zu verarbeiten, brachte Bewegung in die Welt der Leibwäsche: Nachdem in den 1860er Jahren die Prototypen der noch heute gebräuchlichen Damen- und Herrenunterwäsche entwickelt worden waren, setzte ein wahrer Boom in diesem Wirtschaftszweig ein und erste Modetrends entstanden.

Durch die industrielle Fertigung war Unterwäsche nun kein Luxusartikel mehr, sondern für alle erschwinglich geworden.

Interessant ist auch der Exkurs der Ausstellung in die Welt der Strumpfmode. So können Besucher beispielsweise ein aufwändig mit kleinen Glasperlen besticktes Paar gestrickte weiße Damenstrümpfe bewundern, die vermutlich eine Braut zur Hochzeit getragen hat.

Wichtig ist den beiden Ausstellungsmacherinnen, den Bogen der Kulturgeschichte stets bis in die Gegenwart zu spannen. Weshalb zur Vorbereitung der Ausstellung auch ein Besuch im örtlichen Dessous-Geschäft gehörte.

Neben interessanten Informationen zu aktuellen Unterwäsche-Trends, gab es von dort auch  Leihgaben für die Ausstellung.

Ganz bewusst verzichten Herma Klar und Anne Pahnke seit einigen Jahren auf eine reine Weihnachtsausstellung und bieten stattdessen Winterausstellungen an. Zum Konzept gehört, dass die Ausstellung für alle Generationen spannend sein soll.

Denn, so weiß die Museumsmitarbeiterin aus Erfahrung, dabei entstehen tolle Gespräche zwischen Großeltern, Eltern, Kinder und Enkeln. Auf diese Art wird Geschichte anschaulich vermittelt – von Adam und Eva bis zur Gegenwart.

Und übrigens gibt es doch einen Zusammenhang zwischen der Ausstellung zum Thema Unterwäsche und Weihnachten. Bei einem Gespräch mit einer Bekannten wurde Anne Pahnke an einen beliebten Weihnachtsgeschenk-Tipp für Ehefrauen erinnert, der bereits in den 60er Jahren kursierte. SOS: Socken, Oberhemd, Schlips. - Aus dem Schlips wurden kurzerhand Slips und schon ist man beim Ausstellungsthema „Wie eine zweite Haut“.

Für Anne Pahnke ist dies übrigens die letzte Ausstellung, die sie für das Museum im Steinhaus konzipiert hat. Nach 21 Jahren Festanstellung mit einer 50 Prozent-Stelle im städtischen Museum verabschiedet sich die studierte Innenarchitektin zum 1. Januar 2017 in den Ruhestand. (Tina Block)

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