Stadtnachricht

Ausstellung
Werke von Otto Dünkelsbühler


Die Vorbereitungen zur Retrospektive zum Werk Otto Dünkelsbühlers laufen auf Hochtouren.  Foto: Stadt
Fotos: Stadt

Am 24. April 2018 wäre der akademische Maler Otto Dünkelsbühler 120 Jahre alt geworden. Die Stadt Nagold nimmt dies zum Anlass, den Künstler, der von 1938 bis zu seinem Tod 1977 in Nagold lebte, mit einer großen Ausstellung im Museum im Steinhaus und im Rathaus zu würdigen. Die Ausstellung wird am Sonntag,14. Oktober, im Foyer des Rathauses eröffnet.

Seit Monaten laufen die Vorbereitungen für die Retrospektive in Zusammenarbeit mit Gaspard Dünkelsbühler, dem jüngeren Sohn des Malers, Judith Bruckner, die das Ausstellungskonzept entworfen hat, und Museumsleiterin Herma Klar.

„Es ist ein gemeinsames Anliegen des Sohnes und der Stadt Nagold, das Werk des bedeutenden Malers des 20. Jahrhunderts lebendig zu halten“, erklärt Oberbürgermeister Jürgen Großmann. Derzeit loten Gaspard Dünkelsbühler und der Rathaus-Chef weitere Möglichkeiten aus, das Leben und Wirken von Otto Dünkelsbühler zu erforschen.

Gaspard Dünkelsbühler, Sohn des Künstlers Otto Dünkelsbühler, ist in Nagold aufgewachsen.    Foto: Stadt

Der Künstler wurde 1898 in München geboren. Schon früh erkannte man seine Begabung, weshalb er Zeichenunterricht erhielt.

Wie viele junge Männer seiner Generation meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, aus dem er schwer verwundet entlassen wurde.

1919 begann er eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule und an der Akademie in München, 1921 an der Kunstakademie und Kunstgewerbeschule in Berlin. Im Jahr 1922 heiratete Dünkelsbühler Dr. jur. Elisabeth Keimer, später Professorin für Glasmalerei an der Kunstakademie Berlin. 1929 zog die Familie mit ihren beiden Kindern berufsbedingt nach Berlin.

Bei einem Aufenthalt in Paris 1929 begegnete Otto Dünkelsbühler dem französischen Kubisten André Lhote, trat in seine Akademie ein und wechselte vom Kunstgewerbe zur Freien Kunst.

Nagolder stellen Bilder für die Retrospektive zur Verfügung


André Lhote hat das Schaffen von Otto Dünkelsbühler nachhaltig beeinflusst. 1930 folgte die Scheidung von Elisabeth Dünkelsbühler-Keimer. Im selben Jahr heiratete der Maler die Schriftstellerin Dr. jur. Elisabeth Schaible, die aus Gaugenwald stammte.

1937 verließ die Familie mit ihren zwei Kindern Berlin für einen sicheren Ort: Gaugenwald. 1938 übersiedelten sie nach Nagold, Otto Dünkelsbühler trug die Berufsbezeichnung „Privatlehrer“.

Das ihm im Jahr 1933 auferlegte Ausstellungsverbot und das 1936 auferlegte Arbeitsverbot hielt

Otto Dünkelsbühler nicht von Malaufenthalten in London und bei André Lhote in der Provence ab. Auch nicht ganz von seiner Malerei in Nagold.

„Viadukt und Straße“ gemalt etwa um 1960. Foto: Stadt

Nach dem Krieg stellte sich eine rege Maltätigkeit ein. Otto Dünkelsbühler
unternahm zahlreiche Malreisen nach Frankreich, Spanien und an den Bodensee. Hier entstanden seine leuchtenden, farbkräftigen Bilder.

Der Maler gehört zur „verlorenen Generation“ der um 1900 geborenen Künstler, die seit etwa 1925 neue Wege in der Kunst gingen. Dünkelsbühler lehnte jegliche Zugehörigkeit zu einer Kunstrichtung ab – keine „-ismen“. Vielmehr ging er seinen eigenen Weg.

„Das Meer (bei Sanary)“ gemalt etwa um 1960.  Foto: Stadt

Zunehmend ordnen die Kunsthistoriker seine Arbeiten der Richtung „Expressiver Realismus“ zu. Dünkelsbühler starb 1977 in Nagold. Er hinterließ ein umfangreiches Œuvre. Der Großteil der Exponate für die Werkschau stammt von Dünkelsbühlers Sohn, Gaspard Dünkelsbühler, der in Nagold aufgewachsen ist.

Der ehemalige Deutsche Verbandsjurist und Rechtsanwalt arbeitete unter anderem für die Europäische Kommission in Afrika und Pakistan. Heute lebt er am Chiemsee.

Weitere Ausstellungsstücke haben Nagolder Bürgerinnen und Bürger als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Die Ausstellung wird rund 100 Exponate umfassen. Sie wird sich gliedern in das Frühwerk, die Übergangszeit (1937-1945) und das Spätwerk (ab 1946).

Einen thematischen Schwerpunkt in der kommenden Ausstellung bilden Motive aus Nagold. Es sind sehr schöne Darstellungen der Stadt und der Region. Inzwischen sind die Werke Zeitzeugen des historischen Nagolds.

Für die Ausstellung verfasst Dr. Andreas Bühler vom Kunsthaus Bühler in Stuttgart einen umfangreichen Ausstellungskatalog. Das Werk befasst sich unter anderem mit dem künstlerischen Programm, des Malers, das er selbst als „Schule der Synthese“ bezeichnete. Sein Selbstverständnis als Maler formulierte Otto Dünkelsbühler mit den Worten: „Farb- und Formgesetze mit der Natur versöhnen. ... Keine Furcht vor der Vielfalt, vor Ordnung und Verwirrung, Harmonie und Dissonanz. Sie in den Dienst am Ganzen stellen. Wie in der Musik - Dirigent sein.“ (red)