Stadtnachricht

Otto Dünkelsbühler


Ölgemälde, Werbegrafiken, Collagen, Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen - die Bandbreite des künstlerischen Schaffens Otto Dünkelsbühlers beeindruckt.
Die Retrospektive des Künstlers, der bis zum seinem Tod im Jahr 1977 rund 40 Jahre lang in Nagold gelebt hat, zeigt etwa 100 Exponate. Die Ausstellung gliedert sich in das Frühwerk, die Übergangszeit (1937 bis 1945) und das Spätwerk (ab 1946). Ein Themenschwerpunkt sind Motive aus Nagold und der Region.
Ölgemälde mit dem Titel "Die Remigiuskirche und der Friedhof in Nagold" (Fotos: Stadt Nagold/Privat)
Fotos: Stadt Nagold/Privat

Ein Großteil der Exponate stammt von Gaspard Dünkelsbühler, dem in Nagold geborenen Sohn des Malers, der in Bayern lebt. Weitere Ausstellungsstücke wurden von Nagolder Bürgern als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Die Ausstellung ist von Montag, 15. Oktober, bis Sonntag, 25. November, im Rathaus sowie im Museum im Steinhaus (geöffnet dienstags, donnerstags und an Sonn- und Feiertagen) zu sehen.
Der Künstler Otto Dünkelsbühler, fotografiert im Jahr 1946 (Fotos: Stadt Nagold/Privat)
Fotos: Stadt Nagold/Privat

Kuratiert wurde die Retrospektive von Judith Bruckner, die Organisation oblag Herma Klar, Leiterin des Museums im Steinhaus.

Einen umfassenden Ausstellungskatalog hat Dr. Andreas Bühler, Geschäftsführer des Kunsthauses Bühler in Stuttgart, zusammengestellt. Bühler beschäftigt sich seit Jahren mit dem Werk des Künstlers. Abbildungen der Werke Dünkelsbühlers sowie einem Teil seiner Arbeitsutensielien sind im Katalog ebenso zu finden wie Familienfotos. Gaspard Dünkelsbühler gibt im Kapitel „Erinnerungen rund um das väterliche Atelier“ ganz persönliche Einblicke in das Leben seiner Familie in Nagold.
Die Begleitbroschüre zur Ausstellung ist im Museum im Steinhaus sowie an der Infotheke im Rathaus gegen eine Schutzgebühr erhältlich.

Auch wenn Nagold zur Wahlheimat des Künstlers geworden war, so machte er sich regelmäßig auf zu Malreisen nach Südfrankreich, Spanien und an den Bodensee.
Bei der Einordnung des Œvres in den historischen Kontext führt
Dr. Andreas Bühler im Ausstellungskatalog an, dass der Künstler sein umfangreiches Werk vor dem geschichtlichen Hintergrund schuf, der sich bei einem großen Teil der um 1900 geborenen Künstlergeneration außerordentlich nachteilig für die Erkennung ihres Stellenwertes in der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts auswirkte.

Das abgebildetet Gemälde trägt den Titel "Die grüne Bucht (Le Cap)" (Fotos: Stadt Nagold/Privat)
Fotos: Stadt Nagold/Privat

Es handelte sich um eine Generation, die durch den politischen und kunstpolitischen Geschichtsverlauf um ihre Chancen gebracht wurden. Denn die sogenannte „verlorene Generation“ war sowohl betroffen von der Katastrophe des ersten Weltkrieges, zudem wurden künstlerische Traditionen durch die nationalsozialistische Machtergreifung und dem zweiten Weltkrieg unterbrochen. Ebenso wie von den politischen Entwicklungen im Deutschland der Nachkriegszeit.
Wie viele Maler folgte auch Otto Dünkelsbühler der in den 20er Jahren einsetzenden Kunstrichtung, die heute als „expressiver Realismus“ bezeichnet wird.

„Während des Nationalsozialismus zogen sich viele Maler aus dem öffentlichen Kunstleben zurück, um ihren künstlerischen Überzeugungen treu zu bleiben“, schreibt Dr. Andreas Bühler im Ausstellungskatalog. So auch Otto Dünkelsbühler. Er vertrat die Devise „Kunst ist gelassen und kümmert sich weder um Künstler noch Parteien, noch um Stile noch um avantgardistischen Ehrgeiz“.

Für den in München geborenen Künstler war die Malerei eine „existenzielle, eigentlich religiöse Frage, sie bedeutete ihm Auseinandersetzung mit Gesehenem und Erfahrenem“, resümiert Dr. Bühler. Die Auseinandersetzung mit der Natur sei immer oberstes Gebot für Dünkelsbühler geblieben, er spüre das Wesentliche von Form und Farbe und vermittle es dem Betrachter.“

Bislang, so stellt Oberbürgermeister Jürgen Großmann als Initiator der  Ausstellung fest, sei das Leben Otto Dünkelsbühlers sowie die Wirkungsgeschichte seiner Kunst und wie er sie selbst sah, weder umfangreich dokumentiert, noch erforscht worden.

Dies sieht der Rathaus-Chef als lohnenswerte Aufgabe und als einen wichtigen Beitrag zur Kunst-, Kultur- und Stadtgeschichte.

Aus Großmanns Sicht geht es darum, Dünkelsbühler, den Maler der verlorenen Generation, wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

„Wenn diese Ausstellung uns alle zu dieser Weiterarbeit anstiften würde, wäre Otto Dünkelsbühlers 120. Geburtstag in jeder Hinsicht Zukunft“, erklärt Jürgen Großmann. (Tina Block)