Stadtnachricht

Diakonieverband


Mittwochs zwischen 19 und 21 Uhr gibt es im Bürgerzentrum der Urschelstiftung die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und über die eigene Kultur und Nationalität hinaus ins Gespräch zu kommen. (Foto: Marc Spies)
Foto: Marc Spies

„Lass uns drüber reden!“ ist das Motto der lebhaften Männerrunde im Bürgerzentrum der Urschelstiftung Nagold, die sich jeden Mittwoch von 19 Uhr bis 21 Uhr trifft. Die Gesprächsthemen wechseln von Freizeit zu Freunden und Vereinsangeboten in Nagold. Die Männer erzählen von Freunden, mit denen sie sich treffen. Es fallen viele ausländische Namen. „Habt ihr auch deutsche Freunde?“, fragt Marc Spies in die Gruppe. Schweigen - „Nein, ich nicht“. Diese Treffen bieten die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und über die Grenze der eigenen Kultur und Nationalität hinaus ins Gespräch zu kommen. Vor allem für Neuzuwanderer ist diese Plattform somit eine gute Möglichkeit, Einwohner der Stadt Nagold kennen zu lernen.

Inhaltlich ist hier für vieles Platz. Neben regionalen oder weltpolitischen Themen haben auch die persönlichen Anliegen der Teilnehmer ihren Raum. Der Abend ist ideal, um nach der Arbeit, Schule und dem Alltagstrott nicht einsam vor dem Fernseher zu sitzen, sondern in Gesellschaft seinen Interessen nachzugehen und sich neue Perspektiven zu ermöglichen. Jeder Mann ab 17 Jahren kann sich an dem Abend beteiligen und sich aktiv einbringen. „Jeder Besuch und Neuzugang ist für die Gruppe eine Bereicherung, denn diese Runde lebt von den Ideen, Interessen und Projektvorschlägen ihrer Teilnehmer, die sich auf Augenhöhe begegnen. Unser Ziel ist es, auf Themen einzugehen, die uns beschäftigen und an interessanten Aktivitäten in Nagold teilzuhaben“, erklärt Erhan Arslan, der im Projekt arbeitet.

Der Flyer zum Angebot im Bürgerzentrum der Urschelstiftung. (Fotos: Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald)
Foto: Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald

Die Gestaltung der Abende liegt bei diesem Angebot bewusst in den Händen zweier junger Männer, die das Angebot auch stark durch ihre Person und Erfahrung bereichern. Träger des Projekts ist der Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald, welcher sich mit dem Projektvorschlag beim Förderprogramm „Gemeinsam in Vielfalt III“ des Ministeriums für Soziales und Integration in Baden-Württemberg erfolgreich beworben hat. Innerhalb des Diakonieverbands besteht eine enge Vernetzung mit Karin Köpf, die als Integrationsmanagerin bei der Diakonie angestellt ist. Sie bietet mittwochnachmittags für Geflüchtete eine offene Sprechstunde von 17 bis 19 Uhr an, die ebenfalls im Bürgerzentrum der Urschelstiftung stattfindet.

Erhan Arslan und Kemajl Xhemajli organisieren die Gruppen-abende und führen diese auch eigenständig durch. Beiden Mitarbeitern ist es wichtig, sich in Nagold sozial zu engagieren, denn durch Engagement und Partizipation findet „Mann“ auch leichter den Anschluss im neuen Wohnort. Beide möchten ihren Teil dazu beitragen, um die Inklusion in Nagold zu fördern. Deshalb sind sie jeden Mittwochabend im Bürgerzentrum präsent und veranstalten gemeinsame Aktivitäten. Beispielsweise die Teilnahme an der Nagolder Spielemesse im Dezember, gemeinsame Unternehmungen sowie die Einladung Nagolder Bürger als Gastreferenten oder einfach das gemütliche Beisammensein mit einer Tasse Kaffee bei einem Kartenspiel.
Der Flyer zum Angebot im Bürgerzentrum der Urschelstiftung. (Fotos: Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald)Foto: Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald

Die Teilnehmer der Abende sind fast ausschließlich Geflüchtete. Sie machen die Männergruppe mit ihren unterschiedlichen Nationalitäten, Muttersprachen und Lebenssituationen zu einer richtig bunten Gemeinschaft. Fast alle der fünf bis acht teilnehmenden Männer haben die Integrationskurse erfolgreich abgeschlossen und befinden sich in einem Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis. In die Männergruppe bringen sie dadurch auch immer wieder Fragen oder Beobachtungen aus der Arbeitswelt ein.

Die Abende fallen immer sehr unterschiedlich aus, manchmal sehr philosophisch und tiefgründig, ein anderes Mal sehr humorvoll und kurzweilig. Je nach Themengebiet sind auch viele neue Projektvorschläge entstanden, die noch darauf warten, ausgeführt zu werden. Zum einen gibt es das Kochen von Gerichten aus anderen Ländern oder den Vorschlag, gemeinsam etwas in der Natur zu unternehmen. Zudem steht die gemeinsame Teilnahme mit eigenem Stand an Kulturfesten und das Interesse an Besuchen und Kooperationen mit unterschiedlichen Vereinen auf der Projektliste. „Damit Neuzuwanderer in ihrem neuen Wohnort schneller heimisch werden, braucht es auch Begegnungsräume und Austausch mit Einheimischen – daher eine herzliche Einladung an alle Männer“, ermutigt Erhan Arslan. (red)