Stadtnachricht

Baubetriebshof


Der Winterdienst des Nagolder Baubetriebshofs beginnt offiziell am Montag, 11. November. Aus Sicht des Baubetriebshofes kann der Winter kommen. Sämtliche Vorbereitungen sind getroffen. So ist das städtische Salzsilo am „Mittleres Bergle“ bis oben hin gefüllt. 300 Tonnen Streusalz passen in den 20 Meter hohen Kessel. „Mit dieser Gesamtmenge kommen wir rund zwei Wochen aus“, erklärt Thomas Rechenberg, Leiter des Baubetriebshofs. Geht das Salz zur Neige, wird vom Großhändler, mit dem die Stadt einen Rahmenvertrag hat, nachgeliefert. Vertraglich vereinbart können bis zu 500 Tonnen nachgeordert werden. Ein Lieferengpass ist insofern nicht zu befürchten. Seit ihrer Einführung im Jahr 2017 hat sich die Soleanlage, die auf dem Gelände des Baubetriebshofs steht, als wichtiger Bestandteil des Nagolder Winterdienstes bewährt.

Denn in der rund 8.000 Liter fassenden Soleanlage kann Feuchtsalz direkt vor Ort hergestellt werden, indem Streusalz mit Wasser gemischt wird. Feuchtsalz hat den Vorteil, dass es sich schon vorbeugend auf der Straße ausbringen lässt. Dort wirkt die Sole schneller und wird nicht so leicht durch fahrende Autos oder Wind aufgewirbelt. Insofern wird weniger Material verbraucht, was wiederum Kosten einspart. Fünf Großfahrzeuge, darunter zwei Lkw und drei Unimogs, stehen bereit, um das Feuchtsalz auszubringen. Darüber hinaus ist ein Schlepper mit einer Vollsoleanlage für Parkhäuser und den Innenstadtbereich zuständig. Neben der technischen Ausrüstung stehen mittlerweile natürlich auch die Einsatzpläne für den Winterdienst des Baubetriebshofs.

Dabei haben sich aus den Erfahrungen der letzten Winter einige kleine Änderungen ergeben, die sich aber nur minimal auf die Bevölkerung auswirken. „Denn natürlich müssen wir unsere Routen auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten prüfen. Grundsätzlich haben wir den großen Vorteil, dass wir den Winterdienst nicht extern vergeben haben. Dadurch sind wir sehr flexibel, das heißt, wir können schnell und unkompliziert auf die Gegebenheiten reagieren. Aber wir sind auch am Anschlag des Machbaren. Mehr geht nicht, ohne Abstriche in der Qualität in Kauf zu nehmen“, macht Thomas Rechenberg deutlich.

Das Team des Baubetriebshofs. (Foto: Birgit Betzelt)
Foto: Birgit Betzelt

Die 32 Mann starke Mannschaft arbeitet im Zweischichtbetrieb. Das heißt, sie ist von 4.30 Uhr bis mindestens 20 Uhr an sieben Tagen in der Woche im Einsatz. „Bei extremer Witterung dauert die Schicht selbstverständlich länger“, versichert Thomas Rechenberg. Drei Bereichsleiter koordinieren das Winterdienstteam im Wechsel, abhängig von der Wettervorhersage. Sie entscheiden, ob ein Einsatz notwendig ist und entsenden die Mitarbeiter. Ihre Aufgabe ist es, die öffentlichen Straßen und Gehwege im Stadtgebiet von Eis und Schnee zu befreien. Da die Straßen und Wege im Stadtgebiet nicht gleichzeitig geräumt und gestreut werden können, gibt es verschiedene Dringlichkeitsstufen.

„Durchgangsstraßen und Busstrecken, also für den Verkehrsfluss wichtige Wege, haben oberste Priorität“, erklärt Thomas Rechenberg. Sind diese von Schnee und Eis befreit, fährt der Winterdienst die Nebenstraßen und Wohngebiete ab. Öffentliche Gehwege und Parkhäuser werden ebenfalls so weit wie möglich gestreut. Ist ein Einsatz notwendig, alarmiert der Bereitschaftsführer die Kollegen. Pro Schicht arbeiten 16 Mitarbeiter. Das Zweischichtteam wechselt sich wöchentlich mit der Rufbereitschaft ab. Diese geht von montags 4.30 Uhr bis sonntags 20 Uhr. Jeder Mitarbeiter hat seine eigene Strecke, die er mit dem Einsatzfahrzeug abfährt. „Insgesamt decken wir in Nagold und den Stadtteilen eine Strecke von etwa 180 Kilometern ab“, erklärt Rechenberg. Schnell geht der Einsatz nur dann, wenn die Fahrzeuge Streusalz beziehungsweise Sole auf den Straßen ausbringen. Muss der Schnee mit dem Pflug geräumt werden, dauert es wesentlich länger, da die Fahrzeuge langsamer fahren müssen.

Längere Fahrzeiten der Einsatzfahrzeuge entstehen aber auch durch parkende Autos am Straßenrand in den Wohngebieten, die die Räumarbeiten erschweren. Dort kommt es mit den drei Meter breiten Räumfahrzeugen häufig zu Platzproblemen. „Unsere große Bitte: Lassen Sie beim Parken keinen großen Abstand zum Gehweg, sonst kommen wir nicht durch und können die Straße nicht räumen“, appelliert Rechenberg an die Anwohner. Bereits jetzt sind die Mitarbeiter im Hinblick auf den bevorstehenden Winter angehalten, bei ihren Fahrten im Stadtgebiet auf Veränderungen, wie zum Beispiel Baustellen, zu achten und dem Baubetriebshofleiter mitzuteilen. „So können wir im Winterdienst zeitnah auf die Gegebenheiten reagieren“, erklärt Thomas Rechenberg. Zwei Lkw, drei Unimogs und mehrere Traktoren werden von Baubetriebshofmitarbeitern gesteuert. Die fünf Großfahrzeuge sind mit GPS-Systemen ausgestattet. Die Aufzeichnungen, wann und wo die Fahrzeuge gefahren sind, bieten in erster Linie eine rechtliche Sicherheit. Diese Systematik wird in den nächsten Jahren immer mehr ausgebaut, um eine lückenlose digitale Erfassung herzustellen.

Darüber hinaus, soll in den nächsten Jahren die Öffentlichkeit die Möglichkeit bekommen (nicht in Echtzeit aber nachvollziehbar), das Wintergeschehen zu verfolgen. Ziel von Thomas Rechenberg ist es, die Digitalisierung im Baubetriebshof weiterzuentwickeln, damit die Bürger beispielsweise einen genauen Überblick darüber erhalten, welche Strecken geräumt werden und welche nicht. Über die Stadtgrenzen hinaus übernimmt die Straßenmeisterei des Landkreises Calw die Winterdienstpflicht. Privates Gelände räumt und streut der städtische Winterdienst übrigens nicht. Dafür müssen die Bürger selbst Sorge tragen - siehe Beitrag unten „Gehwege räumen und streuen“.

Den Einsatz von Splitt versucht das Winterdienst-Team mittlerweile zu minimieren. Das Argument, dass das Streumaterial umweltfreundlicher ist, lässt Rechenberg nicht mehr gelten. „Zum einen müssen die kleinen Steine mühevoll wieder von der Kehrmaschine aufgekehrt werden. Zum anderen sind die Kosten für die Entsorgung immens, da das Material als Sondermüll gilt“, erläutert er. Auch kann der Baubetriebshof das Material nicht mehr wieder verwerten, da die kleinen Steine nach der einmaligen Ausbringung von den Autos so stark abgefahren werden, dass sie keinen erneuten Schutz mehr bieten. Für den Hausgebrauch ist der Einsatz des Streugutes hingegen nach wie vor möglich. Kleinere Mengen können ab sofort beim Bauhof abgeholt werden. (red)