Stadtnachricht

Ausstellung


In der aktuellen Ausstellung im Museum im Steinhaus wird das Herz ehemaliger Puppenmütter höherschlagen. Unter dem Titel „Haushalt im Kleinen - Mädchenspielzeug aus dem 20. Jahrhundert“ können sich Besucherinnen, aber natürlich auch Besucher, auf eine Reise in die Spielzeugwelt zwischen 1920 und 2000 begeben. Von „Wimmelmuseum“ spricht Museumsleiterin Herma Klar, wenn sie voller Begeisterung das Konzept und einzelne Exponate der Ausstellung erläutert. Denn, es lohnt sich, beim Betrachten der mit allerlei Schätzen aus den Kinderzimmern des letzten Jahrhunderts bestückten Vitrinen ganz genau hinzuschauen, denn die Faszination liegt oft im Detail. Wie zum Beispiel bei den winzigen Accessoires zum Thema Nähen oder in der Puppenküche. Unter dem Titel „Treue Feunde“ vereinen sich das, wie Herma Klar es nennt, „total abgeliebte Nilpferd Friedolin“, das schon diverse Reparaturen über sich ergehen lassen musste, sowie allerlei Teddybären und andere Kuschelgefährten, die früher wie heute Kindern emotionale Kontinuität bieten.

Ausgestellt sind auch Charakterpuppen, die durch ihren individuellen Gesichtausdruck fast wie echte Kinder und Babys aussehen. (Foto: Stadt)

Für Generationen von Mädchen waren Puppen allerdings DAS Spielzeug.
Endsprechend groß ist auch die historische Produktpalette, die Museumsmitarbeiterin Heike Roller in den Vitrinen liebevoll arrangiert hat. Ausgestellt sind Charakterpuppen, die in Deutschland erstmals um 1908 hergestellt wurden und durch ihren individuellen Gesichtsausdruck fast wie echte Kinder und Babys aussehen. Ausgestellt ist außerdem auch „Bärbel“, ein in den 1950er Jahren beliebtes Modell der Firma Schildkröt. Käthe Kruse begann um 1910, ihre reformpädagogischen Ideen in der Puppenproduktion umzusetzen. Die Puppe wurde  als „Ebenbild des Kindes“ geschaffen, um dem Kind ein „gleichwertiger Freund, Begleiter und Kamerad zu sein“. Weiter geht die „Puppengeschichte“ im Museum im Steinhaus mit dem „Zelluloid Baby“ mit Stoffkörper und Schlafaugen aus den 1920-er Jahren über Minerva Puppen, die  bis 1972 in der ehemaligen DDR hergestellt wurden, bis hin zur Barbie Mattel. Sie fehlte wohl in kaum einem Mädchenzimmer.

Dieses Figuren stehen für die emanzipierte Damenwelt. Zu sehen sind eine Barbie sowie Biene Maja. (Foto: Stadt)

Auch ihr deutsches Pendant „Petra“ ist in einer Vitrine im Steinhaus ausgestellt. Ebenso wie die Familie Sonnenschein, die als Gegenmodell zu Barbie fungierte. Die Familienmitglieder waren nicht um ihr Äußeres bemüht, so wie Barbie, sondern vielmehr um das Thema Ökologie. Bis in die heutige „Puppen-Zeit“ hinein reichen die im Museum ausgestellten Exponate: So fehlen weder die knuffeligen Diddl-Figuren noch die hochaktuelle Eisprinzessin. Letztere, auch das erfährt der interessierte Besucher, verkörpert die emanzipierte Frau von heute, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt und nicht auf ihren „Prinzen“ wartet. Auf diese Weise lernen die Museumsbesucherinnen und -besucher beim Lesen der Ausstellungstexte jede Menge über die Veränderungen der Frauenrolle in der Gesellschaft, die sich in der Veränderung des Spielzeugs wiederspiegelt.

Fotos: Stadt

Absolute Hingucker sind auch die Puppenhäuser und Kaufläden mit den dazugehörigen Utensilien, die die reale Wirklichkeit im zeitlichen Kontext abbildet. Zum Beispiel die Küche aus den 1960er-Jahren in pastelligen gelb, hellblau und rosa Farbtönen. Dort wird an den Küchen-Accessoires deutlich: Das Plastikzeitalter beginnt. Im krassen Gegensatz dazu steht das Wohnzimmer aus der Gründerzeit. Es lohnt sich also unbedingt, mit der ganzen Familie samt Großeltern, in die Ausstellung zu kommen, in alten Erinnerungen zu schwelgen und sich auszutauschen. Und wen die Lust am Spiel gleich vor Ort so richtig packt, der kann ihr in der Spielecke mit Puppen und Kaufladen direkt nachkommen. Und wer sich jetzt vielleicht fragt, warum die Jungs eigentlich in der Ausstellung viel zu kurz kommen, der sei auf die vergangene Winterausstellung verwiesen. Dort wurden die Schätze der männlichen Spielewelt gezeigt. (Tina Block)