Stadtnachricht

Klimaschutz


Im Interview gewährt der Klimaschutzmanager und ÖPNV-Beauftragte Christopher Knall einen Einblick in sein neues Aufgabenfeld und erklärt, dass auch die Bürger einen Beitrag in Sachen Klimaschutz leisten können.

Klimaschutzmanager Christopher Knall. (Foto: Stadt)
                                
Herr Knall, wie kamen Sie dazu, sich als Klimaschutzmanager in Nagold zu bewerben?
Durch meine beiden Studienabschlüsse Bioenergie (B. Sc.) und Energiesysteme/ Energiemanagement (M. Eng.) war ich auf der Suche nach einem passenden Job in der Region. Schließlich bin ich auf die Stellenausschreibung der Stadt Nagold gestoßen. Nagold kannte ich bisher nur als schöne Stadt am Rande des Schwarzwalds in der man sehr gut einkaufen kann. Außerdem ist Nagold für mich mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Durch die Stelle sehe ich die Möglichkeit, im Bereich Klimaschutz etwas bewegen zu können. Das ist mir ein sehr großes Anliegen.

Das Thema Klimaschutz wird in Nagold kräftig vorangetrieben. (Foto: Stadt)

Was wird Ihr erstes großes Projekt im Bereich Klimaschutz sein?
Nach meiner Einarbeitung und Vernetzung stehen viele Klimaschutzmaßnahmen im Raum, die angegangen werden wollen. Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit ist hoch. Schnellschüsse sind jedoch nicht meine Art. Vielmehr gilt es, mit Bedacht an die Sache heranzugehen. Um einen Erfolg sicherzustellen, würden wir daher gerne den European Energy Award (EEA) einführen. Der Zusatz „Award“ ist meiner Meinung nach etwas falsch gewählt. Es handelt sich dabei um mehr als nur einen Preis, den es zu gewinnen gilt. Der EEA ist in erster Linie ein hilfreiches Managementinstrument, das uns dabei unterstützt, das Thema Klimaschutz strukturiert anzugehen, um Erfolge vermelden zu können.

Der Klimaschutzbeirat wurde letzten Monat ins Leben gerufen. Welche Funktion hat das Gremium?
Wir haben den Klimaschutzbeirat ins Leben gerufen, um eine erste Anlaufstelle für Klimaschutzthemen zu generieren. Er besteht aus jeweils einem Vertreter der Fraktionen sowie weiteren im Klima- und Umweltschutz aktiven Vertretern. Neben den Aktivisten von Fridays for Future und dem Jugendgemeinderat werden auch die Schulsprecher der weiterführenden Schulen eingeladen, um der Jugend eine Möglichkeit zu geben, mit am Thema Klimaschutz zu arbeiten. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, insbesondere der nächsten Generation eine Stimme zu geben. Im Beirat werden Maßnahmen diskutiert und über den aktuellen Stand informiert. Zudem können Verbesserungsvorschläge eingebracht werden. Der Klimaschutzbeirat dient aber auch als zentrale Informationsstelle für die Öffentlichkeit.

Können die Bürger selbst auch etwas zum Klimaschutz beitragen?
Selbstverständlich. Wenn man sich die Fakten anschaut wird klar, dass der Großteil, nämlich 35 Prozent des Energieverbrauchs, durch die privaten Haushalte verursacht wird. Dabei ist der Pkw-Verkehr mit 27 Prozent noch nicht eingerechnet. Nimmt man diesen dazu, kommt man sogar auf über 60 Prozent. Die Verwaltung hat dabei einen Anteil von „nur“ 2,7 Prozent. Wenig ist das auch nicht. Natürlich wird sich die Stadtverwaltung Nagold nicht zurücklehnen, sondern mit gutem Beispiel vorangehen und Klimaschutzmaßnahmen umsetzen. Mein Ziel ist es, die Bürger durch Öffentlichkeitsarbeit zu motivieren, sich mit dem Thema Klimawandel auseinanderzusetzen. Ich wünsche mir eine produktive Zusammenarbeit mit den Bürgern, denn nur zusammen können wir etwas erreichen. Dieses Thema geht uns alle an.

Das Wasserkraftwerk Rentschler. (Foto: Stadt)
Fotos: Stadt

Was wurde bisher in Sachen Klimaschutz in Nagold unternommen?
Mehr als man denkt. Stichwort Straßenbeleuchtung: Nagold hat nahezu 100 Prozent der Straßenbeleuchtung bereits auf LED umgestellt. Da können sich andere Städte ein Beispiel daran nehmen. Des Weiteren hat die Stadt das Wasserkraftwerk Rentschler gekauft und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Hier wurde sehr viel investiert. Das OHG, die Burgschule und zwei Gebäude der Verwaltung werden zudem mit Holz beheizt.

Ihr zweites Themengebiet ist der ÖPNV. Der Autoverkehr ist auch in Nagold ein Problem. Sehen Sie hier eine Möglichkeit, die Themen ÖPNV und Klimaschutz zu verbinden?
Auf jeden Fall. Der ÖPNV muss eine Alternative zum Individualverkehr werden. Die Menschen müssen weg vom Auto hin zum ÖPNV gebracht werden. Damit können wir sehr viel im Klimaschutz erreichen. Wenn die Autos den Verkehr blockieren und die Busse nicht pünktlich an den Haltestellen ankommen, wird der ÖPNV als unzuverlässig empfunden, die Kunden sind enttäuscht und nutzen wieder verstärkt das Auto. Hier gilt es zu handeln. (red)