Stadtnachricht

Serie rund ums Thema Wasser


Wie kommt das Wasser in die Nagolder Haushalte?

Wasserhahn auf - und frisches, trinkbares Wasser fließt im Überfluss. Was für uns Normalität ist, gilt in vielen Ländern als Luxus.
Ein Blick in den Pumpenkeller des Wasserwerks. Zu sehen sind Befüllleitungen aus den Brunnen (hell), die Überlauf- und Grundablassleitung (lila) sowie die Entnahmeleitung (blau). (Foto: Stadt)
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Es ist durchaus menschlich, dass wir alles, was immer in guter Qualität vorhanden ist, als Selbstverständlichkeit betrachten. Über die Verfügbarkeit von Nudeln, Mehl und Klopapier beispielsweise hat sich in Deutschland seit der Nachkriegszeit kaum jemand Gedanken gemacht. Der Corona-Ausnahmezustand hat uns jedoch gezeigt, wie schnell sich das ändert.

Zurück zum Thema Wasser: Wie sauber ist das bequem aus dem Hahn fließende Nass wirklich? Wofür wird unsere Wassergebühr verwendet? Auf diese und viele weitere Fragen gibt Peter Haselmaier, Technischer Leiter der städtischen Ver- und Entsorgungsbetriebe sowie des Abwasserzweckverbands Nagold, Antworten.

Daraus entstanden ist eine fünfteilige Serie rund um das Thema Wasser, die nach und nach im Amtsblatt veröffentlicht wird.
Im ersten Teil der Serie geht es heute um das Thema Trinkwasser.

Woher kommt das Nagolder Leitungswasser?
Fast 70 Prozent des Nagolder Leitungswassers werden im Nagoldtal und im Schwandorfer Tal gewonnen. Vier Tiefbrunnen fördern das Wasser aus 90 Metern Tiefe ins Wasserwerk.

Darüber hinaus wird weiteres Wasser aus Quellen mittels einer Ultrafiltration im Hochbehälter Killberg zu Trinkwasser aufbereitet. Gemischt mit dem Wasser aus dem Wasserwerk Nagold wird der Bereich Lemberg mit Trinkwasser versorgt.
Der zugekaufte Anteil wird von der Gäuwasser- und Schwarzwaldwasserversorgung sowie von der Wasserversorgung Kleine Kinzig in Alpirsbach zugeführt.

Die Stadtteile Gündringen, Schietingen, Emmingen, Vollmaringen sowie die Gewerbegebiete Wolfsberg und INGPark auf dem Eisberg werden mit Gäuwasser versorgt, das wiederum mit Bodenseewasser vermischt ist.

Mindersbach erhält Trinkwasser von der Schwarzwaldwasserversorgung. Die Brauerei in Hochdorf bekommt Kinzigwasser, da das Nagoldtalwasser für das Bierbrauen zu hart wäre, hervorgerufen durch natürliche Gegebenheiten und dem daraus resultierenden hohen Kalkgehalt.
Chlordioxid-Anlage im Wasserwerk. Hier wird das Rohwasser mit Chlordioxid versetzt, bevor es in die Hochbehälter kommt. (Foto: Stadt)
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Wie kommt das erfrischende Nass in alle Nagolder Haushalte?
 
Die Wasseraufbereitung erfolgt im eigenen Wasserwerk. Dort wird das Rohwasser mit Chlordioxid versetzt und auf den Weg zu den Hochbehältern geschickt.
Im Schwandorfer Tal wird aus zwei Quellen entnommen und aufgrund der darin enthaltenen Trübungsstoffe über eine Ultrafiltrationsanlage aufbereitet und desinfiziert.

Sieben Pumpwerke und sechs Druckerhöhungsanlagen pumpen das Trinkwasser in elf Hochbehälter.

Von dort aus werden sie über ein rund 230 Kilometer langes Netz aus Wasserleitungen zu den Endverbrauchern geliefert. Dank den Hochbehältern fließt es mit gutem Druck aus den Leitungen.

Alle Bereiche der Wasserversorgung, wie beispielsweise das Pumpwerk, die Druckerhöhungsanlagen sowie die Hochbehälter sind permanent fernüberwacht. Sollten Probleme wie etwa eine Trübung auftreten, werden Alarmmeldungen gesendet – rund um die Uhr. Jeder Hochbehälter, jede Quelle ist mittels aufwendiger Technik bei den Wasserwerken aufgeschaltet und es werden tägliche Kontrollfahrten durchgeführt.

Zuständig für die Wasserversorgung sind Michael Haas, Leiter der Wasserversorgung, mit seinem fünfköpfigen Team. Der Bereitschaftsdienst ist 365 Tage im Jahr 24 Stunden erreichbar.
Von den Hochbehältern aus, wie hier der Hochbehälter Textilfachschule, wird das Wasser durch die Schwerkraft in das städtische Wasserversorgungssystem einspeist. (Foto: Stadt)
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Wie sieht es mit den Kosten der Trinkwasseraufbereitung aus?

Wir brauchen Trinkwasser und kommen um die aufwendige Gewinnung nicht herum. Erschließungen, Wasserentnahmen und vieles mehr wirkt sich leider immer negativ auf die Gewässer aus. Und die Begehungen der Quellen und Tiefbrunnen sind sehr personalintensiv, was sich wiederum auf die Kosten der Trinkwassergewinnung auswirkt.

Wir versuchen jedoch immer, die Qualität möglichst hoch sowie die Umwelteinflüsse und den Personalaufwand gering zu halten. Auch der Preis für den Endverbraucher soll möglichst günstig bleiben.

Erhöhter Aufwand für die Versorgung mit sauberem Trinkwasser muss in Zeiten längeren Starkregens betrieben werden. Abgeschwemmte Erde und Schmutz werden durch Klüfte in das Grundwasser gespült. Das kann bei Tiefbrunnen zu Trübungen führen. In diesen Fällen schlagen die Messgeräte an.
Alles im Blick: Fernüberwachung der kompletten Abläufe mit dem Prozessleitsystem. (Foto: Stadt)
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Hat das Nagolder Leitungswasser Trinkwasserqualität?

Es sei nicht zu leugnen, dass sich mittlerweile in jedem Wasser Stoffe befinden, die dort nicht hingehören. Dazu gehören unter anderem Spurenstoffe wie Weichmacher und Mikroplastik.

Das weltweite Problem der Spurenstoffbelastung macht natürlich auch um Nagold keinen Bogen. Doch es besteht kein Grund zur Sorge, denn das Leitungswasser in Nagold unterliegt regelmäßigen strengen Tests. Die Qualität war bisher immer sehr gut und bewegte sich innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzen.
Gerade für Nitrat gibt es zum Beispiel sehr strenge Regeln.

Was die Schadstoffbelastung angeht, hat Leitungswasser zu Unrecht einen schlechten Ruf.

Aus Angst vor belastetem Wasser, werde Mineralwasser in Flaschen gekauft. Doch ist das die Lösung? Das ist ein Trugschluss. Viele sind sich nicht bewusst, dass die Wasserqualität aus der Leitung oftmals besser ist als viele Wassersorten aus dem
Supermarkt.

Insbesondere ist die Qualität viel besser überwacht und gerade Spurenstoffe wie Weichmacher und Mikroplastik sind im Leitungswasser, entgegen der allgemeinen Meinung, häufig in geringeren Mengen enthalten als in vielen Mineralwassern, insbesondere aus Kunststoffflaschen.

Lediglich Mineralstoffe, wie zum Beispiel Calcium, sind nicht in den gleichen hohen Mengen enthalten und müssten über eine ohnehin empfehlenswerte bewusste und ausgewogene Ernährung zugeführt werden.

Erstaunlicherweise wird sogar der finanzielle Faktor häufig nicht gesehen, der in der Regel die Entscheidungen vieler Bürger beeinflusst: Für einen Kubikmeter Wasser aus dem Wasserhahn, was 1.000 Litern entspricht, bezahlen die Nagolder Bürger 2,68 Euro.

Nur wenige sind sich bewusst, wie günstig das im Vergleich zu gekauftem Mineralwasser ist. Ein verschwindend geringer Preis, für eine konstant hohe Wasserqualität.
Das Wasserwerk am Glockenrain. Hier wird unter anderem die Verteilung des Trinkwassers in das Leitungsnetz gesteuert und überwacht. (Foto: Stadt)
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Welchen Stellenwert haben Wasserschutzgebiete?

Neben der Abwasserreinigung und Trinkwasseraufbereitung werden weitere Maßnahmen zur Sicherstellung der Wasserqualität ergriffen.

Was auf der Erdoberfläche passiert, beeinflusst maßgeblich die Wasserqualität.
Die Landwirtschaft mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, der Bau von Straßen sowie die Erschließung von Gewerbegebieten greifen in den Boden und somit auch in das Wasser ein.

Sie verursachen Störungen in wasserführenden Schichten und führen zu Schadstoffbelastungen sowie zu einem Überschuss an Stoffen, die das Algenwachstum über das natürliche Maß hinaus anregen. Daher sind Wasserschutzgebiete so wichtig.

Die Verordnungen für Wasserschutzgebiete besagen deutlich, in welchen Bereichen besondere Vorsicht geboten ist, ob Versiegelungen zulässig sind und welche Nutzungsarten erlaubt sind.

Gerade in trinkwasserrelevanten Gebieten mit Tiefbrunnen sind die Regelungen sehr streng. In direkter Umgebung darf keinerlei Einflussnahme in natürliche Gegebenheiten stattfinden. In Gebieten mit Kanälen werde auf doppelte Schutzschichten geachtet. Außerdem gibt es detaillierte Regeln für die Landwirtschaft, abhängig von der Jahreszeit.

Was hat unser Trinkwasser mit dem Klima zu tun?
Nur wenige machen sich darüber Gedanken, wie sich der weite Transport von Mineralwasser auf unsere Umwelt, unser Klima und nicht zuletzt wieder auf unser Trinkwasser auswirkt.

Die Thematik kann nicht isoliert betrachtet werden, denn alles ist ein großer Kreislauf. Alles hängt zusammen. Der Verbrauch von Mineralöl, die Freisetzung von Treibhausgasen und der Reifenabrieb, der wiederum in das Abwasser gelangt, sind nur wenige der zahlreichen Faktoren, die oft nicht gesehen werden.

Deshalb ist es nicht zu verstehen, warum Wasser von weit her gekauft werde, wo wir doch gleiche oder sogar bessere Qualität nur einen Wasserhahn entfernt haben. Ein solch unbewusstes Konsumverhalten trage zur Klimathematik bei.
(Das Interview führte Jennifer Weitbrecht)

So geht es im nächsten Teil weiter:
Nach diesen Denkanstößen, stellt sich nun die Frage, was mit dem einst frischen Leitungswasser geschieht, nachdem es seinen Weg durch unsere Haushalte und Industriebetriebe hinter sich hat? Wie kann das teils stark verschmutzte Wasser wieder so gereinigt werden, dass wir es erneut trinken können? Und ist es wirklich spurenlos sauber? Mehr dazu im zweiten Teil der Serie.