Stadtnachricht

Staudenmischbeete


Was aktuell an manchen Stellen im Stadtgebiet wie ein Schottergarten aussieht, sind Staudenmischbeete, welche die Flächen in ein Blütenmeer verwandeln werden. Die Steine haben unter anderem die Funktion, den Boden weniger schnell austrocknen zu lassen.(Fo
Foto: Stadt Nagold

Manchen sind sie ein Dorn im Auge, für manche sind sie Sinnbild für einen perfekt gestalteten Vorgarten. Die Rede ist von sogenannten Schottergärten.

Eine vermeintlich pflegeleichte, mit Kies, Geröll oder Splitt versiegelte Fläche vor den Häusern erlangt immer mehr Beliebtheit - auch in Nagold.

Ökologisch wertvolle Pflanzen kommen bei dieser Form der Gartengestaltung eher selten zum Einsatz. „Der dekorative Aspekt liegt dabei im Vordergrund. Der Nutzen für die Natur ist bei den Schottergärten also sehr gering“, erklärt Dorothea Traub, die im Stadtplanungsamt unter anderem für die florale Stadtgestaltung zuständig ist.

Zudem finden Tiere in Schottergärten weder Nahrung noch Unterschlupf. Weitere negative Aspekte: Das natürliche Bodengefüge wird zumindest stark beeinträchtigt. Die mit Schotter, Geröll, Kies oder Splitt bedeckten Flächen wärmen sich im Sommer massiv auf, was die Überhitzung der Städte fördert und den Kaltluftaustausch behindert.

Durch die Novellierung des Landesnaturschutzgesetzes Baden-Württemberg, einem Gesetz zur Stärkung der Biodiversität, sollen Schottergärten auf privaten Flächen vermutlich sogar per Gesetz verboten werden. Doch was macht die Stadt Nagold denn da in der Inselstraße, dem angrenzendem Kreisverkehr und in der Freudenstädter Straße?

Zugegeben, auf den ersten Blick und in der ersten Zeit, könnte man denken, es handle sich tatsächlich um Schottergärten. Doch weit gefehlt! Bei den neuartigen Beeten handelt es sich vielmehr um sogenannte Staudenmischbeete, welche die Stadtgärtner vor Kurzem neu angelegt haben. Übrigens auch schon in Iselshausen und in Emmingen.

Schottergärten sind vermeintlich pflegeleicht, schaden aber dem ökologischen Gleichgewicht. (Foto: Hannes Huber/LNV)
Foto: Hannes Huber/LNV

„Staudenmischpflanzungen sind naturnahe Pflanzengesellschaften, die häufig ein in der Natur vorkommendes Vorbild haben“, erläutert Hagen Harvardt, stellvertretender Leiter des Tiefbauamt und unter anderem verantwortlich für Grünflächen und Friedhöfe. Diese Mischpflanzungen wurden in den
30er Jahren im Zuge der sogenannten Prärierestaurierung in den USA entwickelt.
Ab den 90er Jahren wurde auch in Deutschland an Staudenmischpflanzungen geforscht.

Im Laufe der Jahre verschiedene vorkonfektionierte Mischungen auf den Markt gebracht.

Die bekannteste ist die „Silbersommer“-Kombination. „Staudenbeete sind nicht nur wunderschön anzusehen, durch ihre Vielfalt an verschiedenen Pflanzen haben sie vor allem auch einen sehr guten ökologischen Einfluss. Verschiedenste Insektenarten finden so einen Lebensraum und das sogar mitten in der Stadt,“ freut sich Christopher Knall, städtischer Klimaschutzmanager.

Die Staudenbeete bringen aber noch mehr Vorteile mit sich. So ist der Investitions- und Arbeitsaufwand zu Beginn zwar etwas höher, dafür sind die Staudenbeete mehrjährig und sparen dadurch auf lange Sicht die investierte Arbeit und das Geld wieder ein.

Die robusten Pflanzen bleiben im Winter einfach im Beet, was es Insekten ermöglicht, in den trockenen Blüten- und Samenständen ein geeignetes Winterquartier zu finden.

Erst im Frühjahr, bevor die ersten Pflanzen austreiben, werden die Pflanzflächen wieder zurückgeschnitten. Sobald sich die Pflanzung am Standort etabliert hat, kommt sie mit wenig Pflege aus.

Dass sich im Laufe der Zeit die Zusammensetzung und damit das „Bild“ der Pflanzung verändert, ist normal und gewünscht. Im Gegensatz zu den Schottergärten dient der sichtbare Kies oder Splitt nicht der „Zierde“, sondern erfüllt im Staudenmischbeet eine Funktion.  

Staudenbeete (aufgenommen in Baiersbronn) hingegen sind nicht nur farblicher Hingucker, sondern auch ein Paradies für Insekten. (Foto: Stadt Nagold)
Foto: Stadt Nagold

Durch die mineralische Mulchschicht wird verhindert, dass der Boden zu schnell austrocknet. Es muss daher weniger gegossen werden, was zusätzlich Wasser spart.
Ein weiterer Vorteil von Kies im Staudenbeet ist, dass unerwünschtes Unkraut abgehalten wird, aufzukeimen. Der Hobbygärtner nutzt im Hausgarten dafür üblicherweise Rindenmulch.

Da verschiedene Staudenarten eingesetzt werden, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten blühen, ergibt sich im Jahresverlauf ein sehr langes Blühbild.
Die Abstimmung der einzelnen Staudenarten erfordert dabei viel Erfahrung und gärtnerisches Geschick. Bis die Stauden allerdings gut angewachsen sind, ist der Kies sichtbar.

Hagen Harwardt appelliert deshalb an alle Bürgerinnen und Bürger, die sich wegen der vermeintlichen Schottergärten an das Stadtplanungsamt gewendet haben: „Geben Sie der Sache noch etwas Zeit und beobachten sie gerne wie sich das Beet entwickelt. Langfristig wird nicht mehr viel vom Kies zu sehen sein.“ (red)