Stadtnachricht

Stadtwald


Das Thema Wald rückt immer mehr in den Fokus. Nicht nur in der medialen Welt, sondern auch bei Bund, Ländern und Kommunen. Der Grund dafür gibt Anlass zur Sorge: Es steht schlecht um den Wald. Und zwar nicht nur in fernen Ländern, sondern auch hier bei uns - in Deutschland, in Baden-Württemberg, in Nagold ...  Um uns ein genaueres Bild vom Nagolder Stadtwald und seinem Gesundheitszustand zu machen, haben wir unter anderem den Dialog mit Hubert Halter, einem der beiden städtischen Revierförster, gesucht. Wir starten zunächst mit einigen Fakten, bevor wir in unserer Serie zum Thema Wald weiter ins Dickicht vordringen.

Welche Fläche nimmt der Nagolder Stadtwald ein?
Der Stadtwald Nagold bedeckt eine Fläche von mehr als 2.000 Hektar, was in etwa 2.000 Fußballfeldern entspricht. Hinzu  kommen noch rund 440 Hektar Privatwaldfläche. Der größte Teil des Waldes liegt im Nagolder Kerngebiet, aber auch Hochdorf und Emmingen verfügen über größere Anteile.

Waldweg mit Sonnenstrahlen. (Foto: Philipp Schütz)

Wer kümmert sich um unseren Wald?
In der Vergangenheit fielen sowohl unternehmerische Aufgaben (beispielsweise der Verkauf des Holzes zum bestmöglichen Preis) als auch hoheitliche Aufgaben (Maßnahmen zum Schutz des Waldes) in den Tätigkeitsbereich eines Forstrevierleiters. Vor allem der gemeinsame Holzverkauf aus allen Waldbesitzarten unter Aufsicht des Landes war der Abnehmerseite jedoch schon lange ein Dorn im Auge. Dies führte schließlich zu einer Kartellrechtsklage der Sägeindustrie. Das Ergebnis war die Verabschiedung einer Reform der Landesforstverwaltung, die zum 1. Januar 2020 in Kraft trat. Der Staatswald wurde daraufhin als Eigenbetrieb „ForstBW“ in der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) aus der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg ausgegliedert. ForstBW kümmert sich ausschließlich um die Bewirtschaftung des Staatswaldes. Der Nagolder Stadtwald wird in diesem Aufgabenbereich durch zwei Forstrevierleiter betreut. Der südliche Abschnitt steht unter der Leitung von Hubert Halter. Der nördliche Abschnitt wird noch bis Jahresende von Klaus Kälber geleitet. Der Revierleiter geht dann nach 31 Jahren im Dienst des Nagolder Waldes in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Aufgaben werden dann weitgehend von Markus Schäfer, Förster bei der Gemeinde Ebhausen, übernommen. Auf der allgemeinen Verwaltungsebene, beispielsweise bei Baurechtsangelegenheiten oder Fragen der öffentlichen Ordnung, arbeitet Nagold bereits seit längerer Zeit mit den Gemeinden Haiterbach, Ebhausen und Rohrdorf innerhalb der sogenannten Verwaltungsgemeinschaft zusammen. Alle Gemeinden dieser Verwaltungsgemeinschaft haben zudem eigenes Forstpersonal angestellt, um eine Eigenbewirtschaftung zu ermöglichen. Die hoheitliche Betreuung der Wälder im Landkreis Calw, und somit auch im Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Nagold, fällt in den Verantwortungsbereich der Unteren Forstbehörde Calw, unter der Leitung von Jörg Ziegler.

Was sind die wichtigsten Aufgaben der Nagolder Forstverwaltung?
Der Nagolder Stadtwald wird in Abstimmung und enger Anlehnung an das Forsteinrichtungswerk bewirtschaftet. Die Kernaufgaben der forstwirtschaftlichen Arbeit umfassen unter anderem die Betriebsplanung, den Holzeinschlag, die Waldbegründung, das heißt, das Anlegen eines Waldes von der Planung bis zur Umsetzung, die Waldpflege, den Unterhalt der vorhandenen Erschließung, also das Wegenetz, sowie die Jagdverwaltung. Auch wenn naturschutzfachliche Fragestellungen nicht im Detail in den Tätigkeitsbereich der Nagolder Forstverwaltung fallen, so wird dennoch daran mitgearbeitet. Neben den üblichen Tätigkeiten einer Forstverwaltung, werden in Nagold die Einrichtungen Häfelehütte sowie DIGELPavillon im Haushalt der Forstverwaltung abgebildet. Die reine Vermietungspraxis wird über das städtische Amt für Kultur, Sport und Tourismus geregelt.

Holz das mit Schnee bedeckt ist. (Foto: Philipp Schütz)

Wer ist Ansprechpartner für die Privatwaldbesitzer?
Für die Nagolder Privatwaldbesitzer hat sich durch die Reform nicht viel geändert. Sie haben die freie Wahl, ob sie sich des Beratungs- und Betreuungsangebotes der Unteren Forstbehörde bedienen, sich an städtische Förster wenden oder private Dienstleister beauftragen. Vor der Reform hatte die Stadt Nagold per Vertrag die hoheitliche Betreuung des Privatwaldes vom Land übernommen. Erster Ansprechpartner in waldbaulichen Fragen waren die städtischen Förster. Sie waren auch diejenigen, die mahnend den Finger hoben, wenn im Privatwald die Aufarbeitung der Käferhölzer unterblieb. Diese Verantwortung unterliegt nun ebenfalls der Unteren Forstbehörde Calw.

Was versteht man unter der sogenannten „Forsteinrichtung“?  
Die Forsteinrichtung ist ein Führungs- und Planungsinstrument der Forstbetriebe. Es dient der Betriebsregelung in der Forstwirtschaft. Konkret beinhaltet sie sowohl die Erfassung des aktuellen Waldzustandes durch Waldinventur, die mittelfristige Planung und Kontrolle von Nachhaltigkeitsaspekten und das Gegenüberstellen der tatsächlichen Situation mit Zielvorgaben. Die Inventur des Stadtwaldes wird in Baden-Württemberg alle zehn Jahre durchgeführt, zuletzt im Frühjahr 2020. In Privatwäldern kann sie auf freiwilliger Basis erfolgen. Die Bestandsaufnahme dient der messbaren Erfassung verschiedenster Parameter, wie beispielsweise Baumverteilung, Baumanzahl, Holzmasse, Naturverjüngungsvorräte an nachwachsenden Bäumen, Wildverbiss, Krautvegetation, Waldgesundheit sowie ökologische Wertigkeiten wie Totholzanteile. Auf Basis der gewonnenen Daten sowie Waldbegehungen vor Ort, mit einem neutral bestellten Forsteinrichter der Forstdirektion Freiburg, wird dem Gemeinderat die Planung der notwendigen Maßnahmen für die nächsten zehn Jahre vorgeschlagen. Bereits im Vorfeld der eigentlichen Forsteinrichtungserneuerung setzt sich der Gemeinderat üblicherweise mit der Formulierung diverser Eigentümerziele, wie beispielsweise anvisierten Baumartenanteilen, möglichen Pflegeaufwendungen oder gar Stilllegungsflächen auseinander. In Nagold fand diese Sitzung im September 2020 statt.

Pilze im Wald. (Foto: Philipp Schütz)

Der Wald als Wirtschaftsbetrieb – was steht konkret dahinter?
Der Wald ist nicht nur grüne Lunge und Naherholungsgebiet, sondern trägt mit dem aus dem Holzverkauf erwirtschafteten Erlösen zum Haushalt von Städten und Gemeinden bei, so auch in Nagold. Schon in der Vergangenheit gab es sowohl gute als auch schlechte Jahre. Aktuell ist der Holzmarkt jedoch übersättigt und die Preise für den Rohstoff befinden sich auf einem historischen Tief. Haushaltsüberschüsse können bis auf Weiteres keine erzielt werden. Gründe hierfür sind zum einen der reduzierte, nachhaltige Hiebsatz, der nach den Holzmassenverlusten durch die Sturm- und Käferereignisse der neunziger Jahre und der Jahrtausendwende festgelegt wurde. In den letzten Jahren wurde der nachhaltig mögliche Hiebsatz bereits zu einem großen Teil durch die sogenannten „zufälligen Nutzungen“ (Sturm- und Käferhölzer) erfüllt. Das Schadholz erreicht jedoch bei weitem nicht das gleiche Preisniveau wie frische Ware. In manchen Städten wird dieses Holz sogar nach China verschifft, für Nagold stellt dies jedoch momentan keine Option dar. Die Nutzung des Waldes als Wirtschaftsbetrieb entwickelt sich nicht zuletzt durch den Klimawandel immer mehr zum Streitpunkt: Naturschützer fordern ein Hinterfragen der Betrachtung des Waldes unter finanziellen Rentabilitätsgesichtspunkten. Egal, welche Seite in dieser Diskussion eingenommen wird: sollte mittelfristig keine Besserung des Gesundheitszustandes der Wälder eintreten, können ohnehin auch in Zukunft keine oder nur geringe Überschüsse erwirtschaftet werden. Mehr noch: voraussichtlich wird unser Wald nicht nur keine nennenswerten Überschüsse mehr erwirtschaften, sondern zunehmend auf öffentliche Fördermittel für den künftigen Waldumbau angewiesen sein.

Welche Themen werden die Nagolder Forstverwaltung voraussichtlich die nächsten zehn Jahre vorrangig beschäftigen?
2020 ist der Nagolder Wald noch mit einem blauen Auge davongekommen. Doch die Wetterextreme der letzten Jahre haben gezeigt: der Wald muss für den Klimawandel fit gemacht werden. Hitze und Trockenheit machen dem empfindlichen Ökosystem sehr zu schaffen – die Bäume verdursten regelrecht. Geschwächte Bäume verlieren zudem ihre natürlichen Abwehrmechanismen gegen den Borkenkäfer und sind weitaus anfälliger für Sturmschäden.

Blätter im Herbst die auf dem Boden liegen. (Foto: Philipp Schütz)
Fotos: Philipp Schütz

Was kann getan werden?
Die Wälder müssen für zunehmende Hitze und Trockenheit gewappnet werden. Dazu gehört unter anderem die Verjüngung des Waldes mit trockenheitstoleranteren, vorzugsweise heimischen Baumarten, in stufigen Mischbeständen aus Nadel- und Laubbäumen. Es gibt verschiedenste Theorien und Kontroversen, wie ein Waldumbau in Zeiten des Klimawandels erfolgen kann. Mehr dazu in den nächsten Folgen der Waldserie. (Jennifer Weitbrecht)