Stadtnachricht

Baubetriebshof


Schnee und Eis beeinträchtigen unsere Straßen- und Fußwegverbindungen Jahr für Jahr. „Damit dennoch der Verkehr reibungslos fließen kann, ist es notwendig, dass eine winterdienstliche Behandlung der Straßen und Gehwege vorgenommen wird“, erklärt Thomas Rechenberg, der den Nagolder Baubetriebshof leitet und damit auch für den Winterdienst verantwortlich ist. Der Winterdienst wird auf der Basis umfangreichen Fachwissens, auf dem aktuellen Stand der Technik und mit intensivem Arbeitseinsatz der Mitarbeiter bei jeder Wetterlage durchgeführt. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Verkehrssicherheit und der Verkehrsfluss auch unter widrigen winterlichen Witterungsbedingungen gegeben ist.

Mittlerweile sind alle Vorbereitungen getroffen - der Winterdienst kann am 16. November offiziell beginnen. „Dies ist zwar leicht gesagt, dennoch gilt in Bezug auf den Winterdienst die Redensart `Nach dem Winter ist vor dem Winter`, denn organisatorisch verfolgt uns das Thema das ganze Jahr über“, betont Thomas Rechenberg. Aufbau, Abbau, Umbau der Maschinen, Verträge sind zu schließen, Ausschreibungen sind vorzunehmen und organisatorische Eckdaten sind zu prüfen. Diese Aufgaben fallen oft im Sommer bei 30 Grad an, damit vor dem Wintereinbruch alles notwendige organisiert ist. „Darum können wir sagen, die Vorbereitungen sind durch und die Organisation steht - jetzt kann’s losgehen.“

Die Räumfahrzeuge des Baubetriebshofs. (Foto: Stadt)

Ausreichender Salzvorrat
Ein Beispiel: Bis zur Oberkante ist das Salzsilo der Stadt Nagold gefüllt. 300 Tonnen passen in den 20 Meter hohen Kessel - das sind rund elf volle Silofahrzeuge. „Damit sind wir bestens für den Winter gerüstet“, erklärt der Leiter des Baubetriebshofs. Sobald aber wieder eine LKW-Ladung in die Silos hineinpasst, bestellt der Baubetriebshofleiter die nächsten 26 Tonnen. „Einem Engpass, wie im Winter 2010, in dem die Salzlieferanten von Mitte Dezember bis Mitte Februar Kommunen nicht mehr beliefern konnten, beugen wir so vor“, betont Rechenberg. „Zudem haben wir einen Lieferanten, der für uns 500 Tonnen eingelagert hat.“ Der Lieferant liefert nach Aufforderung innerhalb von 24 Stunden und das 7 Tage die Woche. Damit ist das Thema Lieferengpass in Nagold vom Tisch.

Eigene Soleanlage
Die 2017 eingeführte Soleanlage, die auf dem Betriebsgelände im Glockenrain steht, ist ebenfalls fester Bestandteil der Planung. Alle Großfahrzeuge und ein Schlepper können Sole ausbringen. Durch die Eigenproduktion können etliche Euro gespart werden. In der rund 8.000 Liter fassenden Anlage kann Feuchtsalz direkt vor Ort hergestellt werden, in dem Streusalz mit Wasser gemischt wird. „Das ist eine von vielen Maßnahmen, um die Wirkungskraft der sich immer mehr verändernden Winterdienste zu verbessern. Denn wir wissen alle, dass in den letzten Jahren der Winterdienst mehr und mehr vorbeugenden Charakter hatte. Wir haben zu fast 85 Prozent gegen überfrierende Nässe anzukämpfen, nicht gegen Schneemassen.“ Neben dem randvollen Salzlager sind auch alle Fahrzeuge gewartet und die Einsatzpläne stehen. Die 32 Mann starke Mannschaft des städtischen Winterdienstes ist, sofern es die Umstände erfordern, von 4.30 Uhr bis mindestens 20 Uhr, an sieben Tagen in der Woche im Einsatz. Wann die jeweilige Mannschaft ausrückt, entscheidet der Schichtführer. „Bei extremer Witterung sind wir selbstverständlich auch länger im Einsatz“, versichert der Baubetriebshof-Chef.

Verschiedene Dringlichkeitsstufen
Der städtische Baubetriebshof räumt und streut öffentliche Straßen und Gehwege im Stadtgebiet. Zwei LKW, drei Unimogs, Traktoren und Handstreuer werden eingesetzt. Über die Stadtgrenzen hinaus hat die Straßenmeisterei des Landkreises Calw die Winterdienstpflicht, wobei gegenseitige Aushilfe selbstverständlich ist. Da die Straßen und Wege im Stadtgebiet nicht gleichzeitig geräumt und gestreut werden können, gibt es verschiedene Dringlichkeitsstufen. „Hauptstraßen und Busstrecken haben oberste Priorität“, sagt Thomas Rechenberg. Sind diese von Schnee und Eis befreit, fährt der Winterdienst die Nebenstraßen und Wohngebiete ab. Hier kommt es mit den drei Meter breiten Räumfahrzeugen manchmal zu Platzproblemen. Der Leiter des Bauhofs, bittet die Anwohner deshalb, ihre Autos direkt am Randstein zu parken.

Digitalisierung
Die Fahrer der Großfahrzeuge haben ein GPS-Gerät an Bord. Sollte das Einfahren in eine zugeparkte Straße nicht möglich sein, erfolgt eine digitale Protokollierung mit dem Hinweis, dass die Straße nicht geräumt werden konnte. „Deshalb nochmals die Bitte: Denken Sie an die Fahrer, die beispielsweise nachts um 5 Uhr bei Dunkelheit Ihre Straße räumen und die Witterung und Tageszeit sowieso schon eine Herausforderung darstellt“, appelliert Rechenberg an die Anwohner. „Wir haben einen großen Schritt im Bereich der Digitalisierung gemacht und in die Planung und Durchführung eingearbeitet. Dennoch lässt sich der Schnee und die Eisglätte nicht durch Software beseitigen“, erläutert Thomas Rechenberg. Im Einsatz sind im Winterdienst unter anderem Termomat, GPS, Digitale Wegeführung, digitale Aufzeichnung der Strecken, selbsteinstellende Streuer und Wetterdaten mit eigenen Messpunkten.

Um einen reibungslosen Ablauf des Winterdienstes 2020/2021 hinzubekommen, ist auch die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger gefragt. „Wir haben in Nagold eine besondere Ausgangslage, denn wir leisten den Winterdienst ausschließlich selbst, das heißt, wir haben keine Ausschreibungen an Subunternehmer, die den Baubetriebshof entlasten. Das ist sehr außergewöhnlich im Vergleich zu anderen Städten. Aber für Nagold ist es von Vorteil, weil wir so individuell, unkompliziert und schnell reagieren können“, schildert Rechenberg die Ausgangssituation. Der Umfang der Räum- und Streupflicht richtet sich grundsätzlich nach der Verkehrsbedeutung der Straßen und der Leistungsfähigkeit der Gemeinde. Sie hat die Aufgabe eine verkehrssichere Fläche für den Straßenverkehr zu schaffen.

Das Bild zeigt eines der GPS-Streckennetzte von Nagold (Innenstadt). Foto: Stadt
Fotos: Stadt

Die Räum- und Streupflicht besteht innerhalb der geschlossenen Ortslage nur an verkehrswichtigen und gefährlichen Stellen. Beide Voraussetzungen müssen gleichzeitig erfüllt sein. Außerhalb der geschlossenen Ortslage besteht die Streupflicht nur an besonders gefährlichen Stellen, soweit diese ebenfalls verkehrswichtig sind. Alle Winterdienstmaßnahmen sind nur zur Sicherung des Tagesverkehrs durchzuführen. Als verkehrswichtig im Sinne der Rechtsprechung gelten grundsätzlich nur Hauptverkehrs- und Durchgangsstraßen sowie sonstige Verkehrsmittelpunkte, auf denen erfahrungsgemäß mit stärkerem Verkehrsaufkommen zu rechnen ist. Zu den gefährlichen Stellen zählen Bereiche, an denen der Kraftfahrer die von der Glätte ausgehende Gefahr nicht ohne weiteres erkennen und meistern kann, also vor allem scharfe, unübersichtliche Kurven, Straßenverengungen, besondere Gefällstrecken, Kreuzungen und Einmündungen (soweit unübersichtlich oder schwierig zu durchfahren).

Als besonders gefährliche Stellen werden Bereiche angesehen, an denen Anlage oder Zustand der Straße die Bildung von Eis, Eisglätte oder seine Wirkung erhöhen und diese besonderen Verhältnisse vom Kraftfahrer trotz der bei Fahrten auf winterlichen Straßen von ihm zu fordernden erhöhten Sorgfaltspflicht nicht oder nicht rechtzeitig erkennbar sind. Also die Fahrbahnstellen, an denen sich auch ein gewissenhafter und aufmerksamer Kraftfahrer allein nicht mehr zu helfen vermag. Unter geschlossener Ortslage ist der Teil des Gemeindegebietes zu verstehen, der zusammenhängend bebaut ist, gleichgültig ob in geschlossener oder offener Bauweise. Der Zusammenhang wird nicht durch einzelne unbebaute Grundstücke, zur Bebauung ungeeignetes oder ihr entzogenes Gelände oder einseitige Bebauung unterbrochen (§ 8 Abs. 1 StrG). Die Straßen sind soweit von Schnee zu räumen und zu streuen, dass sie den tatsächlichen Bedürfnissen des Verkehrs, dem sie gewidmet sind, entsprechen.

Unter nicht geschlossener Ortslage ist das restliche Gemeindegebiet zu verstehen. Hierbei ist besonders zu beachten, dass Feldwege beschränkt öffentliche Wege und daher von untergeordneter Verkehrsbedeutung sind und somit keiner Räum- und Streupflicht unterliegen. Ansonsten besteht für Gemeindestraßen außerhalb der geschlossenen Ortslage nur für verkehrswichtige und besonders gefährliche Stellen eine Pflicht zu räumen und zu streuen. Es müssen dabei ebenfalls beide Merkmale erfüllt sein.
Auf der Basis dieser gesetzlichen Regelungen werden Jahr für Jahr, Winterdiensteinsatzpläne für das gesamte Gemeindegebiet der Stadt Nagold erstellt. Diese Vorgehensweise des differenzierten Winterdienstes - mit „weißem“ Winterdienst der untergeordneten Straßen - entspricht übrigens nicht nur den gesetzlichen Anforderungen, sondern wird auch ausdrücklich von den verschiedensten Interessensgruppen, Verbänden/Vereinen und Institutionen empfohlen. Exemplarisch seien hier das Umweltbundesamt, das Öko-Institut und der ADAC genannt. Privates Gelände räumt und streut der städtische Winterdienst nicht. Dafür müssen die Bürger selbst Sorge tragen. Informationen zur Räum- und Streupflicht sind im unteren Beitrag zu finden.

Tipp
Kleinere Mengen Splitt (Eimerware) stellt der städtische Baubetriebshof kostenlos zur Verfügung. Diese können während den Öffnungszeiten von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 7.30 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 16 Uhr sowie am Freitag von 7.30 bis 12.30 Uhr beim Baubetriebshof abgeholt werden. Ein Flyer, der im Rathaus und den Rathaus-Geschäftsstellen ausgelegt ist, informiert über den Winterdienst in Nagold. (red)