Stadtnachricht

Museum im Steinhaus


Lena Hauser for ihrer neuen Wirkungsstätte - dem Museum im Steinhaus in der Badgasse 3. Foto: Stadt Nagold

Foto: Stadt Nagold

Seit 15. Februar leitet Lena Hauser das Museum und die Galerie im Steinhaus. Damit ist sie schon mehr als 100 Tage im Amt. Im Interview verrät die 27-Jährige, wie sich ihr Start gestaltet hat und welche Pläne und Ideen sie für das Museum hat.

1. Wie arbeitet es sich denn im ältesten Haus der Stadt?
Gut! Das Steinhaus knarzt zwar ein wenig unter der Last der Jahrhunderte, aber es hat viel Charme. Und von meinem Büro aus habe ich einen wunderbaren Blick auf den Longwy-Platz und den Stadtpark Kleb.

2. Was hat Sie an dieser Stelle besonders gereizt?
Die Arbeit in einem kleinen Stadtmuseum hat mich gereizt, denn diese ist meiner Erfahrung nach sehr vielfältig.

3. Haben Sie sich schon ein bisschen eingelebt?
Ja, ich habe schon viele nette Menschen kennengelernt und fühle mich in Nagold sehr wohl.

4. Welches waren die ersten Aufgaben, die Sie angegangen sind?
Zunächst habe ich mir einen Überblick über die Jahresplanung 2022, die anstehenden Projekte und die Situation der städtischen Sammlung verschafft, dann zahlreiche Ideen notiert und noch mehr To-Do-Listen geschrieben …

5. Was ist aus Ihrer Sicht der Kern einer erfolgreichen Museumsarbeit?
Die zentralen Aufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln zu verinnerlichen und keine davon zu vernachlässigen. Oft bleibt bei schnellen Ausstellungswechseln über Jahre hinweg die Arbeit an der Sammlung liegen – dabei bildet sie die Grundlage für die weitere Ausstellungstätigkeit!
Zudem ist es wichtig, sich nicht nur für Themen, sondern auch für Menschen zu interessieren. Als Leiterin des städtischen Museums arbeite ich für die Menschen aus Nagold. Ich möchte ihnen interessiert, offen und empathisch begegnen.

6. Viele denken vielleicht „Museum ist langweilig“. Was meinen Sie, wie kann man Stadtgeschichte spannend und interessant vermitteln?
Bei aller Liebe zur Geschichte sollten wir die Entwicklungen der Gegenwart nicht aus dem Blick verlieren: Ich möchte Themen mit einem Bezug zum Hier und Jetzt behandeln, interaktive Ausstellungen realisieren und das Museum zu einem Ort machen, an dem wir miteinander sprechen, uns austauschen und diskutieren können.

7. Das Hauptdepot des Museums ist im Keller der Zellerschule/Stadthalle untergebracht. Wurde es durch den Brand in der Zellerschule in Mitleidenschaft gezogen?
Die Unterbringung der Objekte in Kellerräumen war bereits vor der Brandkatastrophe problematisch und es wurde bereits nach einer besseren Lösung gesucht.
Aber ja, die städtische Sammlung hat einen Löschwasserschaden davongetragen. Vor dem Umzug in geeignetere Depoträume sind allerdings restauratorische oder konservatorische Maßnahmen notwendig.
Ich arbeite daran, diese Schritte anzustoßen. Eine Sammlung in öffentlicher Trägerschaft ist Allgemeingut und ihr Erhalt ist daher ausgesprochen wichtig.

8. Abgesehen davon, welches sind die Herausforderungen der Museumsarbeit hier speziell in Nagold und wie wollen Sie ihnen begegnen?
Herausforderungen gibt es überall, ohne sie wäre es langweilig. Speziell hier in Nagold gibt es im Bereich der Sammlungspflege und der Digitalisierung die Notwendigkeit zur Weiterentwicklung.

9. Glauben Sie, dass die Digitalisierung den Besuch im Museum bald überflüssig macht?
Nein, der Museumsbesuch ist ein Erlebnis, das sich nicht vollständig ins Digitale verschieben lässt.
Natürlich sind digitale Angebote eine schöne Erweiterung oder ein Hilfsmittel, um Menschen einen Einblick zu ermöglichen, die nicht ins Steinhaus kommen können. Aber ich stelle mir das Museum noch immer als einen Ort vor, an dem wir dem Echten begegnen, die Aura des Originals spüren, zur Ruhe kommen und Inspiration finden, mit neuen Gedanken im Kopf nach Hause gehen.

10. Welche Ideen für neue Ausstellungen bringen Sie ein?
Zukünftig wird das Steinhaus einen stärkeren Fokus auf moderne und zeitgenössische Kunst legen.
Darüber hinaus werden wir aber sicherlich noch andere Themen behandeln. Als Leiterin des städtischen Museums sehe ich mich in der Verantwortung, die Interessen der Bevölkerung abzubilden.
Ich habe viele Ideen und bin offen für noch mehr!

11. Wo sehen Sie Ihre besonderen Stärken als Museumsleiterin?
Ich kann zuhören, bin neugierig und begeistere mich für die Arbeit im Museum.
Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die Institution „Museum“ attraktiver zu gestalten, vor allem auch für jüngere Menschen.
Darüber hinaus hilft mir mein Masterabschluss in Kunstgeschichte bei der wissenschaftlichen Arbeit und eine umfangreiche Weiterbildung im Bereich des Kulturmanagements bei allem anderen.

12. Wird Museumspädagogik in Ihrer Arbeit auch eine Rolle spielen? Auf welche Ausstellungen können sich Besucherinnen und Besucher bis Ende des Jahres freuen?
Ja, ich möchte vermehrt Vermittlungsangebote realisieren, für Erwachsene wie auch für Kinder und Jugendliche.
Allerdings braucht das noch etwas Zeit. Ein erster Schritt sind drei Sonntagsführungen, die ich zur kommenden Sommerausstellung Sehnsucht nach dem Süden - Otto Dünkelsbühler
und die Malerei der „verschollenen Generation“ anbieten werde. Die Ausstellung wird vom 17. Juli bis 11. September gezeigt.

(Das Interview führte Tina Block)