Stadtnachricht

Klimaanpassung


Die Bundesregierung hat im Juli 2020 ein Förderprogramm für Modellprojekte zur Klimaanpassung und Modernisierung in urbanen Räumen, speziell zur Förderung von Park- und Grünanlagen, aufgelegt.

Die Stadt Nagold hat sich mit vier Projektskizzen um eine Förderung beworben und im November 2020 die Zusage über eine Fördersumme von 888.300 Euro erhalten. Das entspricht einer Förderung von fast 90 Prozent.

Im Interview erläutern Hagen Harwardt, stellvertretender Leiter des städtischen Hoch- und Tiefbauamts sowie Dorothea Traub, Mitarbeiterin im Stadtplanungsamt das Förderprogramm und die von ihnen eingereichten Projektskizzen.

Welches Ziel verfolgt das Förderprogramm des Bundes?
Hagen Harwardt: Die Bundesregierung verfolgt ambitionierte Klimaschutzziele. So sollen bis 2030 die Treibhausgasemissionen mindestens um 55 Prozent reduziert werden, bis 2050 wird eine Treibhausgasneutralität angestrebt.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen alle Bereiche mitziehen, auch die Stadtentwicklung. Hierbei geht es ganz speziell darum, die Wirkungen des Klimawandels sichtbar zu machen und diese zu mindern.

Dorothea Traub: Das heißt, im Förderprogramm des Bundes geht es in erster Linie um Projekte, die sich mit der Frage beschäftigen, wie können urbane Räume an den Klimawandel angepasst werden und gleichzeitig einen Beitrag zu einem besseren Klima leisten.
In der Öffentlichkeit wurde das in der Vergangenheit oft missverstanden. Es geht nicht um Klimaschutzmaßnahmen.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Dorothea Traub: Ganz konkret können zum Beispiel städtische Grünflächen einen Beitrag zur Kühlung der Städte leisten.
Es ist erwiesen, dass auch kleinere Grünanlagen die Temperaturen im Vergleich zur bebauten Umgebung um 3 bis 4 Grad Celsius senken können.
Auch können dort größere Regenmengen zwischengespeichert werden, um die Kanalisation zu entlasten.

Welche Bereiche in der Stadt sind besonders vom Klimawandel betroffen?
Hagen Harwardt: Straßenbegleitgrün, Grünanlagen auf Plätzen und Freiräumen sowie Parks und Gärten sind extremen klimatischen Bedingungen ausgesetzt.

In unserem diesjährigen Hitzesommer war dies wieder stark spürbar. So wurde letztendlich darauf verzichtet, die große Wiese im Stadtpark Kleb, zu bewässern.

Was genau wird gefördert?
Hagen Harwardt: Im Programm wird eine große Bandbreite von förderfähigen Modellprojekten genannt.
Zum Beispiel: Förderung klimaresilienter Bepflanzungen (Erhaltungsmaßnahmen, Nach-/Neupflanzungen, Maßnahmen zum Erhalt historischer Pflanzensorten und Naturdenkmale).
Maßnahmen, die durch naturnahe Gestaltung und Pflege von Flächen und Gewässern zur Schaffung, zur maßgeblichen Steigerung und zum Erhalt von Biodiversität und zur Aufwertung der Flächen beitragen.
Entsiegelung und naturnahe Umgestaltung von Freiflächen zur Förderung von Biodiversität, Aufenthaltsqualität, Klimaschutz und Klimaanpassung.
Innovative Maßnahme zu Verbesserung des Klimas und zur Entwicklung eines klimaangepassten Erholungsraumes des insbesondere zur Nutzung durch die in urbanen Räumen lebenden Menschen.

Der Longwyplatz mit Projektskizze

Mit welchen Projekten hat sich die Stadt Nagold beworben?
Hagen Harwardt: Wir haben uns mit folgenden vier Projekten beworben: „Grüner Korridor“ (Kreuzertal), „Zurück in die Zukunft“ (Schlossberg), „Grüne Pausen(t)räume“ (Wolfsberg) und „Grüner Himmel über Nagold“ (Longwyplatz).

Was genau steht hinter den eingereichten Ideen?
Dorothea Traub: Hinter der Idee „Grüner Korridor“ steht die Ausbildung einer durchgängigen Grünzunge von der Innenstadt über den Kreuzertalbach bis an die Waldgebiete „Mittleres Bergle“ und „Hinterer Wolfsberg“.
In diesem Bereich gibt es einen durch mehrere feuchte Standorte geprägten Biotopverbund, der durch das Haus Waldeck getrennt wird. Um eine Einheit zu schaffen, soll das Gebäude abgerissen werden.
Zudem ist vorgesehen, das Waldstück entlang der B28 in Richtung Eisberg klimaresilient umzubauen.

Hagen Harwardt: Auf der Fläche des Projekts „Zurück in die Zukunft“ sollen verschiedene Lebensräume und sogenannte Sonderstandorte hergestellt und erlebbar gemacht werden, die die (Wieder-)Ansiedlung seltener Tier- und Pflanzenarten ermöglichen, beziehungsweise begünstigen.
Angedacht ist zudem, an verschieden Punkten die Auswirkungen der Klimafolgenanpassung (Starkregen und Dürre) auf Flora und Fauna sichtbar zu machen.
Selbstverständlich werden wir auch versuchen, seltene und wertvolle Pflanzen (auch Orchideen) anzusiedeln.
Auf dem Gelände am Schlossberg besteht darüber hinaus das Potenzial für stadnahes gemeinschaftliches Gärtnern (Urban Gardening), welches einen Beitrag zu zukunftsfähiger Landbewirtschaftung leisten kann.

Dorothea Traub: Die Idee „Grüne Pausen(t)räume“ verfolgt den Gedanken, im Gewerbegebiet Wolfsberg mehrere sogenannte Pocket Parks zu schaffen. Wegen des hohen Grades an Asphaltierung und Versiegelung entstehen „Wärmeinseln“.
Deshalb sollen dort schattenspendende und für Abkühlung sorgende Freiräume geschaffen werden, um den hitzebelasteten Wolfsberg in ein nachhaltiges klimaangepasstes Gewerbegebiet umzuwandeln.

Hagen Harwardt: Unter dem Titel „Grüner Himmel über Nagold“ steht die Projektidee, mit Pflanzen berankte Netze in luftiger Höhe über dem Longwyplatz zu spannen, um dort ein Wohlfühlklima im Stadtraum zu schaffen.

Wann sollen die Projekte umgesetzt werden?
Dorothea Traub: Im Projekt „Zurück in die Zukunft“ ist der Startschuss bereits gefallen.
Denn vor Kurzem haben am Fuße des Nagolder Schlossbergs ein international besetztes Team von Teilnehmenden am Workcamp mit Rodungsarbeiten begonnen.