Stadtnachricht

Jugendkunstschule


Seit Februar leitet Clara Le Guellec die Jugendkunstschule Oberes Nagoldtal (JKS). Sie ist Nachfolgerin von Dorothee Müller, die die Kulturinstitution aufgebaut und 20 Jahre lang geleitet hat.
Mit ihrem Kursprogramm leistet die Einrichtung einen wichtigen Beitrag zur außerschulischen kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen.
Mit der breiten Angebotsvielfalt können die jungen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer sämtliche Formen des künstlerischen Ausdrucks kennenlernen und selbst ausprobieren.

Im Interview erläutert Clara Le Guellec unter anderem, wie ihr der Start in die neuen Aufgaben gelungen ist, wie sich das aktuelle Programm gestaltet und inwiefern auch Kindergärten und Schulen vom Angebot der JKS profitieren.

Frau Le Guellec, im Februar haben Sie Ihre Stelle als Leiterin der Jugendkunstschule angetreten. Konnten Sie sich in dieser Zeit bereits gut in Ihre neue Rolle einfinden?
Die Arbeit an der Jugendkunstschule und der Volkshochschule ist jeden Tag anders und mit jedem Projekt kommen neue Aufgaben auf mich zu. Das macht den Reiz der Tätigkeit aus.
Dorothee Müller hat mich zwei Monate intensiv eingearbeitet, wofür ich sehr dankbar bin, und hat mir für meine Arbeit eine solide Basis übermittelt. Ich freue mich, Neues zu lernen und fühle mich in meiner Rolle sehr wohl.
Ich wurde seitens der Kolleginnen und Kollegen, Dozierenden und Kooperationspartnerinnen und -partner herzlich willkommen geheißen.

Welchen beruflichen Hintergrund bringen Sie für die Aufgaben mit?
Ich habe einen Masterabschluss in Kulturvermittlung in Karlsruhe gemacht und anschließend in Tübingen als Kulturreferentin am deutsch-französischen Kulturinstitut gearbeitet. Dort war ich für die Planung des Kulturprogramms zuständig. Heute plane ich Kursprogramme. Danach habe ich am Tübinger Stadtmuseum in der Koordination der Museumspädagogik gearbeitet. Dort konnte ich mehr Erfahrung in der Workshoparbeit sammeln. Diese beiden Tätigkeiten kann ich in meiner Arbeit in Nagold zusammenführen und ausbauen.

Wie wichtig ist Kunst aus Ihrer Sicht für Kinder und Jugendliche?
Kulturelle Bildung ist elementarer Bestandteil einer umfassenden Bildung für Kinder und Jugendliche. Künstlerisches Arbeiten macht einen großen Teil davon aus.

Leiterin Clara Le Guellec im Werkraum der JugendkunstschuleClara Le Guellec zeigt im Werkraum in der Lindachstraße kreative Werke aus den Kursangeboten.     Foto: Stadt Nagold

Leider kommt dieser Bereich in der schulischen Ausbildung viel zu kurz.
Deshalb ist es umso wichtiger, dass es auch im außerschulischen Bereich Möglichkeiten der künstlerischen Bildung für Kinder und Jugendliche gibt.
Dort lernen sie kreative Lösungsansätze zu finden, die auch auf andere Bereiche angewendet werden können. Dies stärkt ihr Selbstvertrauen in ihr Tun und die Kinder lernen sich auszudrücken.

Mit welchen Angeboten wird man den verschiedenen Altersgruppen gerecht?
Um die Bandbreite von 4 bis 18 Jahren abzudecken, bieten wir Jahreskurse nach dem Alter gestaffelt an.
Es gibt künstlerische Früherziehung für Vorschulkinder, Kunstwerkstätten für Grundschülerinnen und Grundschüler, ab 10 und ab 13 Jahren. Außerdem bieten wir einen Mappenkurs für Jugendliche an.
Hinzu kommen Workshopformate, die jeweils thematisch einer Altersgruppe angepasst werden.

Welche Themen sind in den einzelnen Altersgruppen besonders beliebt?
Im Vorschul- und Grundschulalter sind besonders Keramikkurse beliebt. Mit dem Material können auch schon die Kleinsten gut arbeiten und sensorische Erfahrungen machen.
Bei den älteren Kindern und Jugendlichen stehen Arbeiten mit besonderen Farben oder Materialien hoch im Kurs wie Gelatinedruck oder Gipsbilder.

Wie ist die Resonanz Ihrer Zielgruppe auf die Angebote der JKS?
Durch die breite Palette an Angeboten finden alle Interessierten einen Kurs, der zu ihnen passt.
Wenn neue Themen angefragt werden, versuche ich diese entweder in bestehende Kurse zu integrieren oder Workshops anzubieten, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Welche Unterrichtsformate bietet die JKS?
Den Grundstamm unseres Kursangebots bieten die sogenannten Jahreskurse. Hier kommen Kinder und Jugendliche wöchentlich über ein Schuljahr in die Jugendkunstschule.
Der Zustieg ist auch im laufenden Schuljahr möglich. Hier werden, nach Alter gestaffelt, nach und nach verschiedene Techniken und Materialien vertieft. Von Farbexperimenten über Drucktechniken und Keramik hin zu Zeichenübungen.
In den Ferien pausieren die Jahreskurse. Stattdessen gibt es ein Ferienprogramm. Hier bieten wir in den Sommerferien Wochenprogramme an und in den „kleinen“ Ferien Einzelworkshops.
Parallel dazu bieten wir verschiedene Workshopformate an. Diese dauern nur einen Nachmittag oder sind für einen kurzen Zeitraum von beispielsweise vier bis sechs Nachmittagen angesetzt.
Hier wird gezielt zu einem ausgeschriebenen Thema gearbeitet. In diese Kategorie fallen beispielsweise die monatlich stattfindenden Samstagswerkstätten.
Ein sehr beliebtes Format sind die Eltern-Kind-Kurse, in dem Kinder zusammen mit ihren Eltern an einem Nachmittag gemeinsam an einem Kunstwerk arbeiten.
Hinzu kommt das Angebot Kindergeburtstage an der Jugendkunstschule zu feiern.
Die Kinder können sich im Vorfeld ein gewünschtes Thema aussuchen, was an ihrem Geburtstag behandelt wird. Hier sind Seidenmalerei und Graffiti sehr beliebt.

Die Jugendkunstschule im Riedbrunnen, ein rotes HolzgebäudeDie Jugendkunstschule im Riedbrunnen. Foto: Stadt Nagold

Haben Sie im neuen Kursprogramm bereits eigene Akzente gesetzt?
Als ein neues Format konnte ich „art international“ einführen. Dort können Kinder und Jugendliche an einem Nachmittag im Monat auf einer Fremdsprache einen Kurs besuchen.
Diesen Monat beispielsweise auf Englisch. Außerdem sind noch Französisch, Spanisch, Arabisch, Russisch und Ukrainisch im Programm. Das spiegelt die bunte Palette unserer Dozierenden wider.
Außerdem gibt es seit Juni das Programm „Welt. Kunst“, in dem einmal im Monat kostenlos geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien aus der Region in die Jugendkunstschule eingeladen werden.
Zudem habe ich einen Instagramkanal der Jugendkunstschule (jks.oberes.nagoldtal) ins Leben gerufen, um für weitere Zielgruppen sichtbar zu sein.

Wie werden die Kurse generell angenommen?
Die Zahl an Teilnehmenden hat sich etwa wieder dem Vor-Corona-Niveau angeglichen. Aber es ist eine Verschiebung zu sehen. Wir hatten vorher mehr Anmeldungen von Grundschulkindern, wo wir jetzt im Vergleich mehr Vorschulkinder haben.

Ist das Kursangebot, das jährlich im Herbst erscheint fix oder kommen im Laufe des Semesters neue Angebote hinzu?
Das Kursheft mit dem Jahresprogramm stellt die Basis des Angebots, aber es kommen laufend neue Kurse dazu. So kann ich auf die Nachfrage reagieren und beispielsweise besonders beliebte Kurse nochmal anbieten. Dieses Jahr war das zum Beispiel bei Keramikkursen der Fall.

Sie bieten auch Kurse für Eltern und Kinder an. Wie werden diese angenommen?
Die Eltern-Kind-Kurse gehören zu unseren beliebtesten Workshop-formaten. Sie werden auch häufig als Geschenk angenommen oder als Großeltern- oder Paten-Kind-Kurse genutzt. So können die Kinder Zeit mit einer vertrauten Person verbringen und gemeinsam eine Aufgabe bewältigen.

Die Kursangebote finden nicht nur in den Räumen in der Nagolder Lindachstraße statt, sondern auch in den Orten der weiteren Verbandsgemeinden. Wie sind dort der Zuspruch und die Auslastung?
Die Jugendkunstschule bespielt die acht Gemeinden Altensteig, Ebhausen, Egenhausen, Hochdorf, Nagold, Rohrdorf, Simmersfeld und Wildberg.
In Nagold finden die meisten Kurse statt, weil wir hier auch eigene Räumlichkeiten haben. In den anderen Orten arbeiten wir vor allem auf Workshopbasis und in Kooperation mit Schulen und Kindergärten. Jahreskurse gibt es noch in Wildberg und Altensteig. Die Auslastung ist in Nagold meistens höher als in den anderen Gemeinden.

Welche Art von Kooperationen gibt es mit Kindergärten und Schulen?
Wir haben feste Kooperationen mit Schulen im Rahmen des Ganztages. Hier bieten wir Schüler-Ateliers an und sind einmal die Woche vor Ort an den Schulen oder die Schülerinnen und Schüler kommen in die Jugendkunstschule.
Zusätzlich gibt es projektbasierte Kooperationen mit Kindergärten und Schulen. Hier bieten wir Projekttage oder -wochen an.
Das letzte Projekt war beispielsweise die Schulhofgestaltung der Grundschule Iselshausen.