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Geschichte der Städtischen Musikschule Nagold
 
Die Städtische Musikschule Nagold wurde als eine der ersten Musikschulen in der Region vom Gemeinderat und von Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Schultis gegründet. Am 1. September 1974 nahm sie unter Schulleiter Mito Bernd Schmid (gestorben 2005) mit sieben Lehrkräften und einhundertfünfzig Schülern ihren Betrieb auf.

Anfangs standen der Musikschule keine eigenen Unterrichtsräume zur Verfügung: Der Unterricht wurde im Feuerwehrmagazin und in verschiedenen Schulen im Stadtgebiet erteilt. So konnte das Unterrichtsangebot nur langsam und unter großen Schwierigkeiten erweitert werden. Mit Freude begrüßten daher Schüler und Lehrer den Einzug in das erste eigene Musikschulgebäude (die ehemalige methodistische Kirche in der Kirchstraße) im Jahre 1982. Musikalische Höhepunkte dieser Zeit waren die beiden großen Opernproduktionen „Der Mond“ von Carl Orff und „Pollicino“ von Hans Werner Henze in der Nagolder Stadthalle, bei denen Schulleiter, Lehrkräfte und Schüler zu einem erfolgreichen Team zusammenwuchsen.

Im Rahmen der Neugestaltung des „Burg“-Areals wurde 1992 das Musikschulgebäude abgerissen. Als neues Zuhause war zunächst das neue Burgcenter geplant. Auch über eine Unterbringung der Musikschule in der Alten Vogtei oder in der Hohen Straße wurde nachgedacht. Provisorisch zog die Musikschule kurzfristig in Räumlichkeiten der Zellerschule und der Burgschule um. Schließlich wurde eine teilweise Nutzung des ehemaligen Verwaltungsgebäudes des Nagolder E-Werkes am Glockenrain ermöglicht.
 
1992 gab es einen Schulleiterwechsel. Als Nachfolger des schwer erkrankten Mito Bernd Schmid berief der Gemeinderat Florian Hummel. Im gleichen Jahr wurde Dr. Rainer Prewo zum Oberbürgermeister der Stadt Nagold gewählt. Mit großem Engagement unterstützte Dr. Prewo, wie auch sein Vorgänger, die weitere Entwicklung der Musikschule.

Eine wichtige Initiative des neuen Schulleiters war die Kontaktaufnahme mit den in Nagold aktiven Institutionen und Vereinen. Darüber hinaus wurde die Präsenz der Musikschule in den Teilorten ausgebaut. Seitdem wird ein Teil der Vereinsjugend von der Musikschule ausgebildet. Im Laufe der Zeit konnten zahlreiche Außenstellen in den Teilorten eröffnet werden, in denen das Angebot der Früherziehung im Mittelpunkt steht.

Außerdem wurden aufgrund der großen Nachfrage weitere Unterrichtsfächer eingerichtet: Neben den klassischen Instrumentalfächern (Klavier, Streich- und Zupfinstrumente, Blasinstrumente) wurden nunmehr die Fächer Schlagzeug, Akkordeon, Keyboard, E-Bass und E-Gitarre angeboten. Das Angebot wurde – der bundesweiten Entwicklung folgend – auch auf den Bereich der Jazz- und Popular-Musik ausgedehnt. Entscheidende Ergänzungen waren die Einführung der Angebote „Stimmbildung/ Gesang“ und „Pop-Gesang“ sowie die Ausweitung des Fachbereichs Elementare Früherziehung: Musik für Eltern und Kind (ab 18 Monaten), Musikfantasie, Musikalische Früherziehung, Musikalische Grundausbildung, Singen-Bewegen-Sprechen und Singen-Tanzen-Musizieren. Insgesamt hat die Musikschule heute über 900 Schüler und 27 Lehrkräfte.
 
Neben der wichtigen Breitenarbeit leisten die Lehrkräfte auch intensive Begabtenförderung. Darüber hinaus beteiligen sich Schülerinnen und Schüler beim traditionsreichen Wettbewerb „Jugend musiziert“ und werden mit Preisen im Regional-, Landes- und sogar Bundeswettbewerb ausgezeichnet.
 
Glanzvoller Höhepunkt der Geschichte der Musikschule ist die Schenkung eines eigenen Musikschulgebäudes zum 20-jährigen Jubiläum der Musikschule am 6. Dezember 1994 durch den Nagolder Bürger und Bürgermedallienträger Rolf Hinderer. Nach erfolgtem Umbau des Gebäudes am Glockenrain konnte die neue Musikschule am 3. Oktober 1997 feierlich eingeweiht werden.
 
Zu einem bedeutenden Bestandteil des städtischen Veranstaltungskalenders wurde die Einführung der Lehrerkonzerte. Bei diesen Konzerten können die Pädagogen ihre künstlerischen Qualitäten unter Beweis stellen und somit auch ihre Schüler vorbildlich motivieren.
 
Das von Stadtmusikdirektor Hummel 1992 neu gegründete Nagolder Kammerorchester entwickelte sich zu einem großen, sehr homogenen Klangkörper. Mittlerweile ist es zu einem Sinfonieorchester herangewachsen. Seit 1996 wird es als Kooperation von Musikschule und Otto-Hahn-Gymnasium geführt. In diesem Orchester spielen Schüler beider Institutionen und Laienmusiker aller Altersstufen aus Nagold und Umgebung gemeinsam. Lehrkräfte und besonders begabte Schülerinnen und Schüler geben als Solisten den Konzerten einen besonderen Glanz.  Zahlreiche Auftritte bei festlichen Anlässen der Stadt Nagold, bei Chorjubiläen, Gemeinschaftskonzerten und eigenen Konzerten haben das Mehrgenerationen-Ensemble zu einem Kulturträger der Stadt gemacht. Besondere Ereignisse waren bzw. sind das „Konzert auf der Nagold“, die Konzerte auf dem Oberamteiplatz, das Festkonzert bei „Singendes, klingendes Nagold“ und das zur Tradition gewordene „Konzert im Burghof“ in der Burgruine Hohennagold. Absoluter Höhepunkt war der Auftritt des Orchesters zur Eröffnung des Nagolder Jahrhundert-Events „Landesgartenschau“ 2012. Bei allen Großprojekten und bei den vielfältigen Aktivitäten zum Jubiläum „40 Jahre Musikschule“ im Jahre 2014 waren der aus dem Elternbeirat 2006 entstandene „Freundeskreis der Städtischen Musikschule“, die Elternschaft und Sponsoren maßgeblich am Gelingen beteiligt.
 
Eine wertvolle Kooperation entstand zwischen Musikschule und Einrichtungen, die behinderte Menschen begleiten. Die Gemeinnützigen Wohn- und Werkstätten (GWW) und die Lebenshilfe Oberes Nagoldtal wurden wichtige Partner in der musikalischen Betreuung von Behinderten. Inzwischen gibt es zahlreiche Kinder und Erwachsene mit Behinderung, die von der Musikschule musikalisch gefördert werden. Schöne Beispiele für die gelungene Kooperation von Menschen mit und ohne Behinderung sind die Aufführungen von „Hans im Glück“ 2002, „Don Quixote“ 2005, „Zug der Geschichten“ 2008, „Das Märchen vom fröhlichen König“ 2010 und „Gemeinsam sind wir stark“ 2014. Im Bereich der musikalischen Märchen wurde eine intensive Zusammenarbeit des Kinder- und Jugendorchesters zunächst mit der Stadtbibliothek, später mit der Jugendkunstschule Oberes Nagoldtal und der Theater-AG des Otto-Hahn-Gymnasiums aufgebaut.
 
Eine wunderbare Zusammenarbeit entstand 2006 zwischen den beiden Musikschulen der Partnerstädte Nagold und Jesenice in Slowenien. In regelmäßigen Abständen besuchen sich Schüler und Lehrer und geben gemeinsame Konzerte. Hier wird  im Geiste Europas Völkerverständigung gelebt und vorbildliche Gastfreundschaft erfahren.                                                               
 
2008 wurde Jürgen Großmann zum Oberbürgermeister der Stadt Nagold gewählt. Die Musikschule ist für ihn ein wichtiger Standortfaktor. Neue Unterrichtsangebote und zahlreiche Kooperationen mit Schulen und Kindergärten wurden und werden von ihm und vom Gemeinderat intensiv unterstützt. Insbesondere der Ausbau der Bläser- und Percussionklassen konnte erfolgreich fortgesetzt werden. Zusätzlich wurde durch die „Sommermusik im Oberen Nagoldtal“ eine neue Fortbildungsmöglichkeit für Nagolder Musikschüler eröffnet.
 
Die Musikschule wird auch in diesen Zeiten des großen Wandels ihre Aufgaben im Rahmen der neuen Bildungspläne als wichtiger Kulturträger mit Elan wahrnehmen und erfüllen. 
 
Florian Hummel
Im Jubiläumsjahr 2014
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